DAUERHINWEISE



NORDZYPERNS POLITISCHER HINTERGRUND


Vor 1960 bis zur Unabhängigkeit
Die Insel Zypern war zwischen 1571 und 1878 in osmanischem Besitz. Die Türken gaben einst den griechisch-orthodoxen Bewohnern nach der Herrschaft der Venezianer die Möglichkeit zurück, ihren Glauben auszuüben. Erst als das Osmanische Reich mehr und mehr von Russlands Interessen am Bosporus bedroht wurde, endete die Osmanenzeit mit der Verpachtung an die Briten. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts keimte in der inselgriechischen Bevölkerung der Wunsch, Zypern an Athen anzuschließen. Diese Union nennt man Enosis. Eine Terrororganisation namens EOKA versuchte, den Anschluss zu erwirken. Erzbischof Makarios III., politisches und geistliches Oberhaupt der Inselgriechen wurde von den Briten verbannt. Erst 1960 wurde die Insel unabhängig. Griechen und Türken wurden Partner mit gleichen Rechten. Makarios wurde erster Präsident, Dr. Fazil Kücük Vize mit Vetorechten.

Das Ende der Republik 1963
Makarios wollte den unabhängigen Staat Zypern aber weiterhin an Griechenland anschließen. Enosis war das große Nationalziel der Inselgriechen. In einem geheimen Plan (Akritas-Plan) wurde der Weg zur Union beschrieben. Verfassungsänderungen 1963 sollten die Türken der meisten ihrer Rechte als gleichberechtigte Partner berauben. Es kam zu militärischen Übergriffen auf die türkische Volksgruppe. Das gemeinsame Staatswesen zerbrach. Dennoch gelang es Makarios, den Eindruck zu erwecken, als "Staatspräsident Zyperns" weiterzuregieren. Die Türken lebten in Enklaven und Ghettos, wo sie eine eigene Verwaltung errichteten.

Putsch und Intervention 1974, TRNC 1983
Im Juli 1974 putschte die griechische Junta gegen Makarios und setzte einen enosis-treuen Radikalen ein. Das türkische Militär nahm daraufhin das seit 1960 verbriefte Recht zur Intervention wahr. Die Insel wurde nun nach zehn Jahren politischer Teilung auch geographisch zweigeteilt. Verhandlungen zwischen den jeweiligen politischen Führungskräften zur Überwindung der Teilung scheiterten. Die Regierung Griechischzyperns beharrt auf der Anerkennung als einzig legitime Regierung Gesamtzyperns. Dies lehnen die Türken als gleichberechtigte Partner ab. Sie proklamierten am 15.11.1983 die Türkische Republik Nordzypern. Das Land wurde international bis heute außer von der Türkei nicht anerkannt. Im Jahr 2004 bemühte sich UNO-Generalsekretär Kofi Annan um eine Annäherung der beiden zypriotischen Staaten. Er legte den Präsidenten Papadopoulos und Denktas seinen so genannten Annan-Friedensplan zur Unterzeichnung vor. Es kam jedoch zu keiner Einigung, so dass der Plan in getrennten Abstimmungen den Volksgruppen vorgelegt wurde. Während 65 Prozent der Türken Zyperns das Vertragswerk billigten, lehnten mehr als 75 Prozent der Griechen im Süden den Plan ab und beharrten stattdessen weiter auf den Alleinvertretungsanspruch. (Text: Uli Piller)
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SUBJEKTIVE NORDZYPERNINFOS

Von Heinz Herbert

Nordzypern ist noch immer ein Geheimtipp für den das Motto gilt:
NIE MEHR oder IMMER WIEDER!
Sicherlich kein Urlaubsparadies, aber eine Möglichkeit, den Urlaub anders als üblich zu gestalten, denn nichts ist so perfekt geregelt wie anderswo - und doch, man stört sich nicht wirklich daran.
Gelassenheit ist Voraussetzung, um in Ruhe zu genießen was hier geboten wird. Man spricht gerne von BEGEGNUNGEN MIT DER GESCHICHTE und von GROSSARTIGEN NATURLANDSCHAFTEN. Nehmen Sie es nicht allzu wörtlich, aber ein paar interessante Ecken gibt es schon.
Gastfreundschaft wird tatsächlich groß geschrieben (türkischstämmige Menschen mögen die Deutschen allemal lieber als die Griechen), aber mit der oft gerühmten zyprischen Küche ist es wirklich nicht weit her. Die Menschen, die hier länger wohnen, verzichten überwiegend gerne darauf (Zwei drei Träumer höre ich gerade aufschreien und mich als Banausen beschimpfen). Aber Touristen mögen dieses Abenteuer. Einmal. Ein paar auch öfters. Die anderen gehen dann doch zum "INDER", der hier üblicherweise ein netter Pakistani ist und der seine Preise in ein vernünftiges Verhältnis zur Leistung setzt. Etwas, das vom sonst üblichen "zyprischen Restaurantbetreiber" locker vernachlässigt wird. Das gilt auch für den Süden. Nur haben die keine Pakistanis, die alles wieder rausreißen. Oder man geht zum Chinesen oder zum Italiener. Die Italiener sind in aller Regel Nordzyprioten, bis auf Toni (BRASSERIE in Girne), das ist ein echter italienischer Spitzenkoch, auch wenn er in England geboren ist. Doch, eine gute zyprische Küche gibt es: ARCHWAY in Zeytinlik. Klingt englisch, ist aber wirklich saubere nordzyprische Küche. Aber, Ausnahmen bestätigen eben die Regel.
Was hier alle bejammern, nämlich das Fehlen des Massentourismus mit all den hässlichen Begleiterscheinungen, ist eine Folge der politischen Situation. Nordzypern ist als Staat bisher nur von der Türkei anerkannt. Eigentlich drin in der EU, aber nicht wirklich. Nicht weil die Nordzyprioten nicht wollten, im Gegenteil. Die im Süden wollten das nicht. Und weil die Südzyprer das Gegenteil machten von dem was sie der EU versprachen, sind sie jetzt drin. Und der Norden draußen. Das versteht keiner wirklich. Politik eben.
Eine Folge davon ist, dass man an der "Innengrenze" einen Ausweis vorlegen muss, obgleich das reine Formsache für Europäer ist, denn die gesamte Insel Zypern ist ja Europa und in Europa dürfen wir Europäer uns frei bewegen. Obgleich, nicht so ganz wirklich Europa. Denn mit einem Mietwagen aus dem Süden darf der Mensch vom Süden in den Norden fahren, alldieweil für den Süden die gesamte Insel Europa ist. Der Mensch im Norden darf aber mit einem Nord-Mietwagen nicht in den Süden. Da ist die gesamte Insel doch wieder nicht europäisch. Wahrscheinlich weil der Nord-Mietwagen-Unternehmer seine Steuern an einen zahlt, den es eigentlich gar nicht gibt. Eines macht diesen Insel Nord-Flecken auf jeden Fall angenehm: Niemand stolpert überall über Touristen, was allerdings wieder die Tourismusmanager plagt und Nordzypern liegt weiter der Türkei auf der Finanztasche. Die paar Touristen die es hier gibt sehen sich gerne das an:

Die Sehenswürdigkeiten in alphabetischer Reihenfolge:
Barnabas
Kloster mit musealen Einrichtungen (Nähe Gazimagusa).
Bellapais, kleiner Ort mit eindrucksvoller Klosterruine (Nähe Girne).
Burgruinen: Kantara, Buffavento, St. Hilarion (von Ost nach West).
Enkomi (bronzezeitliche Ausgrabungsstätte).
Gazimagusa (Famagusta) Hafen, schöne gepflegte Altstadt u div. Sehenswürdigkeiten.
Girne (Kyrenia) mit dem schönsten "Alten Hafen" des Mittelmeers. Interessante Shops.
Güzelyurt, Zitrusanbaugebiet
Karpaz-Ausläufer (Pfannenstiel,stets falsch als Halbinsel bez.) mit herrlichen Sandbeachs.
Lefko?a, (Nord-Nikosia) Hauptstadt KKTC, Büyük Han, Altstadtbazar, div. Baudenkmäler.
Salamis, antike Großstadt mit div. Ruinen, direkt am Meer (Nähe Gazimagusa).
Soli, antike Ausgrabungsstätte.
Vouni, antike Ausgrabungsstätte.

Weitere Stichworte:
Bevölkerungsanzahl: ca. 200.000 Bürger.
Einreise: Bundespersonalausweis oder Reisepass.
Fläche: Nordzypern 3.355 qkm - EU-Zypern (Süden) 5.896 qkm.
Grenzübergänge innerzypr.: Seit 2004 unabhängig v. Einreiseort f. Europäer problemlos.
Krankenversicherung: Abschluss einer Auslands-Krankenversicherung sinnvoll.
Lage: Nordteil der seit 1974 zweigeteilten Insel. EU-Zypern = Süden.
Mietwagen: Mietwagen-Süd nach Nord JA. Mietwagen-Nord nach Süd NEIN.
Preise: Ansteigend, aber günstiger als in Süd-Zypern.
Religion: Sunnitische Muslime. Nur aus Anatol-Türkei zugewanderte Frauen tragen Kopftuch.
Sprache: Türkischer Dialekt. Englisch weit verbreitet. Deutsch zunehmend.
Staatsform: Republik. Offizielle Bez. KUZEY KIBRIS TÜRK CUMHURIYETI(KKTC) s.1983.
Tourismus: Aufstrebend, aber noch immer im Aufbau, behaftet mit kl. Mängeln.
Verkehr: Linksverkehr. Gut ausgebaute Straßen. Kleinbusverkehr. Taxen. Mietwagen.
Währung: Neue Türkische Lira (YTL) Seit Einführung total stabil. € = kein Problem.

Ansonsten? Ausprobieren. Ruhig mal herkommen. Und all das Negative, dass die im Süden so über den Norden nur all zu gerne verbreiten, ist natürlich erstunken und erlogen. Die sind nur neidisch, weil wir hier die schöneren Strände haben, niedrigere Lebenshaltungskosten und preisgünstigere Hotels ;-))) 1/2008
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EINFUHR VON TIEREN NACH EU-ZYPERN UND NORDZYPERN

Von Harry McMartin

Foto Es ist schon ein Jammer. Die nordzyprische Talat-Regierung sieht sich bisher nicht in der Lage - wo sie doch immer klagen, dass die EU sie hängen lässt - so ganz einfache Gesetze wie das über die Einfuhr von Tieren dem europäischen Standard anzugleichen, was keinem Schaden würde.
So schrieb mir der sehr nette Dr. Önal Dorak (er beantwortet dankenswerter Weise Anfragen im Gegensatz zu den hiesigen offiziellen Ministerien, die wahrscheinlich die mails nicht abfragen) - Geschäftsführer des Nordzypern-Tourismuszentrums in 60329 Frankfurt/Main, Baseler Straße 35-37 - auf meine Anfrage:
"Selbst wenn Sie einen den Gesundheitserfordernissen und Identifizierungserfordernissen entsprechenden Nachweis haben, muss Ihr Hund mindestens 3 Wochen in Quarantäne in Nord Zypern bleiben. Ich bedauere diese Information, aber das ist das Verfahren in Nord Zypern."
Dabei wäre es so einfach, dieses alte unsinnige Gesetz dem nachstehend zitierten EU-zyprischen anzugleichen, wodurch auch der innerzyprische Transfer von Tieren ermöglicht würde. Die wechselseitigen tiermedizinischen Feststellungen könnten anerkannt werden und jeder könnte seinen Vierbeiner vom Norden in den Süden und umgekehrt mitnehmen.
Selbst das ist hier ein schier unüberbrückbares Problem, wenngleich tausende wildlebender Tiere täglich ohne jede "Kontrolle" sich einen Ast lachen und gemütlich die Grenzlinie queren.

So sieht ein vernünftiges Gesetz über die Einfuhr von Tieren aus, Ihr Supermänner im Norden (der Text wurde von der Botschaft der Republik Zypern in Berlin in Deutsch zur Verfügung gestellt) Einfach übersetzen lassen ins Türkische und das Gesetz verabschieden. Ihr wollt doch immer in die EU. Dann habt Ihr Euch doch, wenn es irgendwann irgendwie doch mal passiert, schon Arbeit erspart. Das ist alles. Und für die, die ein Haustier in den SÜDEN der Insel einführen wollen gilt:

Einfuhr von Tieren aus den EU - Mitgliedsstaaten in die Republik Zypern.

Tiere aus den EU - Mitgliedsstaaten können ohne Auferlegung einer Quarantäne oder Erteilung einer Einfuhrgenehmigung in Zypern eingeführt werden, vorausgesetzt sie sind in Begleitung aller entsprechenden, gültigen Dokumente und alle unten genannten Voraussetzungen werden erfüllt:
1. IDENTIFIZIERUNG:
Tragen einer gut lesbare Tätowierung.
Tragen einen im Körper implantierten, elektronischen Mikrochip zur Identifizierung.
Außer der Identifizierung sollte die Überprüfung des Namens, Vornamens und der Anschrift des Besitzers gewährleistet sein.
Damit das Einlesen des Mikrochips möglich ist, sollte der Mikrochip gemäß der Internationalen Qualitätsstandards ISO 11784:1996 oder mit dem Annex A von ISO 11785:1996 übereinstimmen.
Falls der implantierte Mikrochip nicht mit den oben genannten Vorgaben übereinstimmt und nicht für den zypriotischen Veterinärdienst lesbar ist, muss der Besitzer ein geeignetes Gerät mit sich führen, das das Einlesen ermöglicht.
Es muss belegt werden, dass das Implantieren des Mikrochips zeitlich vor mindestens einer Tollwutimpfung erfolgt ist.
Für einen Zeitraum von 8 Jahren und bis zum 01. Oktober 2012 sind beide Identifizierungsmethoden zulässig. Nach dieser Übergangsperiode wird nur noch die in Abschnitt II, unter Punkt 1.b. genannte Methode akzeptiert.

2. EINREISEWEG
Das Tier muss auf direktem Wege aus einem EU-Mitgliedsstaat eingereist sein.

3. BEGLEITDOKUMENTE
Europäischer Pass (Entscheidung 2003/803/EK, Annex, Teil C) oder ein Gesundheitsbuch ( bis 1. Oktober 2004) eines autorisierten Veterinärs* der zuständigen Behörde, welches belegt, dass das Tier eine noch wirksame Impfung oder Wiederholungsimpfung gegen Tollwut (mindestens eine Einheit von inaktivierten Antigenen pro Dosis (OIE Standard))erhalten hat. Das Tier sollte:
1. im Alter von nicht jünger als drei Monaten - mit einer inaktivierten Tollwutstammkultur gemäß OIE Standards - gegen Tollwutviren, geimpft worden sein. Die Tollwutimpfung oder Wiederholungsimpfung sollte mindestens einen Monat vor Abreise / Einreise in Zypern erfolgt sein.

Anm.: * Ein autorisierter Veterinär ist ein privat niedergelassener Tierarzt, dem die Durchführung solcher Kontrolluntersuchungen vom Direktor des Veterinäramts schriftlich zugewiesen wurde.

24-48 Stunden vor Abreise und Einreise in die Republik Zypern einer antiparasitären Behandlung unterzogen worden sein, mit den aktiven Substanzen: Fipronil gegen Ectoparasiten und Praziquantel gegen Echinococcus granulosus (Hydatidosis).

Die Einfuhr von Tieren unter drei Monaten IST NICHT GESTATTET.
Dokumente, die belegen, dass das Tier aus einem EU-Mitgliedsstaat in die Republik Zypern gekommen ist.
Die Dokumente zur Impfung erfüllen die dargelegten Bestimmungen.
Die Einhaltung der oben genannten Bestimmungen wird bei Einreise durch Prüfung des Tierpasses durch den diensthabenden Veterinär- oder Zollbeamten überprüft. Solange die oben genannten Bestimmungen erfüllt werden, können die Tiere ohne Inspektionsgebühren in Zypern einreisen. Wenn die Bestimmungen nicht erfüllt werden, wird das Tier unter Quarantäne gestellt, nachdem die gesetzlich vorgesehenen Inspektionsgebühren plus MWST. entrichtet worden sind.

Die Einfuhr von folgenden Hunderassen in Zypern IST NICHT GESTATTET, ungeachtet deren Herkunft:
American Pit Bull Terrier oder Pit Bull Terrier
Japanese Tosa oder Tosa Inu
Dogo Argentino oder Argentinian Mastiff
Fila Brasileiro oder Brazilian Mastiff

4.Quarantäne Gebühren

a) Hausquarantäne* Hunde: CYP 120.00 (pro Tier) im Falle einer sechsmonatigen Quarantäne, entspricht der Summe von CYP 20.00 pro Monat für eine Hausquarantäne plus MWSt.
Katzen: CYP 120.00 (pro Tier) im Falle einer sechsmonatigen Quarantäne, entspricht der Summe von CYP 20.00 pro Monat für eine Hausquarantäne plus MWSt.

Anm.*: Die Gebühren für eine Hausquarantäne beinhalten eine mögliche Behandlung gegen Echinococcus granulosus, Tollwutimpfung Behandlung gegen Endoparasiten und Ectoparasiten, Gebühren für eine klinische Untersuchung, falls das Tier während der Quarantäne erkrankt, als auch die Reisekosten des Inspektors, der die Untersuchungen durchführt.
Kosten für Medikamente oder Arzneimittel trägt der Inhaber selbst.

b.In zugelassenen, privaten Hundepensionen.
Die gesamte Summe für Unterkunft und Verpflegung während einer Quarantäne wird vom Inhaber getragen.

5. Inspektionsgebühren bei Ankunft
Öffnungszeiten außerhalb der Öffnungszeiten
(07.30-14.30 Uhr)
Hunde CYP 25.00 CYP 35.00
Katzen CYP 25.00 CYP 35.00

Bitte beachten: Mindestens 48 Stunden vor Ankunft des Tieres in Zypern ist das Veterinäramt unter Angabe von Ankunftsdatum, Flugverbindung und Name des Tierhalters unter einer der folgenden Kontaktadressen durchzugeben: Fax: 00357 22 805176 Email: ANIMAL.HEALTH@VS.MOA.GOV.CY

6. Arbeitszeiten der Veterinärbeamten
Flughäfen Larnaka und Pafos

Die Zollbeamten führen die Kontrolle der Begleitdokumente durch. Für Tiere aus den EU-Mitgliedsstaaten, die alle Bestimmungen erfüllen, werden keine Inspektionsgebühren entrichtet. Der zuständige Veterinärbeamte muss mindestens 48 Stunden vor Ankunft des Tieres von seinem Inhaber über das Ankunftsdatum, die Uhrzeit und Flugnummer benachrichtigt werden, um auf dem Flughafen anwesend sein zu können.

Für mehr Informationen wenden Sie sich bitte an: Lefkosia District Veterinary Office 1417, Lefkosia (Nicosia) KIPROS /CYPRUS Tel: +357-22805240/1 Fax: +357-22805174
E-mail: ANIMAL.HEALTH@VS.MOA.GOV.CY oder HPIPIS@VS.MOA.GOV.CY

Larnaka District Veterinary Office Tel: +357-24304275/6 Fax: +357-24304270
E-mail: DVS.LARNACA@VS.MOA.GOV.CY
Larnaka Airport Border Inspection Post: +357-24304708/712
Lemesos (Limassol) District Veterinary Office Tel:+357-25819512 Fax: +357-25306544
E-mail: DVS.LEMESOS@VS.MOA.GOV.CY
Pafos District Veterinary Office Tel:+357-26306269 Fax: +357-26306198
E-mail: DVS.PAPHOS@VS.MOA.GOV.CY

ACHTUNG: Sollten die Bestimmungen nicht eingehalten werden, kann dies - ohne Schadenersatz an den Besitzer - zur Ausfuhr, Beschlagnahmung oder Tötung des Tieres führen. Alle Angaben ohne Gewähr! Stand: 01/ 2006 Release Date: 13.04.2007 20:04

Die Deutsche Botschaft in Nicosia teilt ergänzend mit:
Die entsprechenden EU-Regelungen können auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz www.bmelv.de heruntergeladen werden: Link "Tierschutz und Tiergesundheit" anklicken, dann "Reisen mit Heimtieren", dann Regelungen zur Einreise mit Heimtieren in die EU". Auf der deutschen Seite scheint ein technischer Fehler eingebaut zu sein, auf der englischen kommt man nicht nur ins Druckermenü, sondern an die tatsächlichen Texte, die gesetzliche Regelung gibt es dann allerdings nur auf deutsch.
Um ganz sicher zu gehen, wie die Sache in CYP gehandhabt wird, empfehle ich Ihnen, sich ans zuständige Ministerium zu wenden:
Ministry of Agriculture & Natural Resources & Environment - Department of Veterinary Services
Athalassa Avenue - 1417 Nicosia - Tel.: 00357-22805222 oder 22805201 Fax: 00357-22332803
vet.services@cytanet.com.cy
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Der DEUTSCHE STAMMTISCH NORDZYPERN (DSN)

trifft sich am ersten Dienstag des Monats, ab 19.00 Uhr im "Courtyard-Inn" in Karakum (ca 2 km östlich von Girne (Kyrenia). Der DSN ist ein seit langen Jahren existierendes freies Forum im Norden Zyperns für "nette Leute", die Freude an einem Gespräch mit "netten Leuten" in legerem Umfeld bei Essen und Trinken haben.
Und das sind solche, die ständig oder überwiegend in Nord-Zypern leben, deren Gäste, sowie Touristen, die von diesem Stammtisch einfach nur mal hörten. Oft finden auch Freunde aus dem Süden der Insel zu uns oder aus Holland, England, Finnland und Schweden, die allesamt mehr oder weniger der deutschen Sprache mächtig sind. Wir würden uns freuen, auch Sie an einem "ersten Dienstag im Monat" begrüßen zu dürfen. Interesse? Einfach hinkommen oder kontakten unter: DeutscherStammtischNordzypern@yahoo.de oder kontakt@nordzypern-insider.net
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REGELUNGEN ZUR EINREISE MIT HEIMTIEREN IN DIE EUROPÄISCHE UNION

hier speziell Bundesrepublik Deutschland.
Gültig seit dem 3. Juli 2004, verbindlich seit dem 1. Oktober 2004 (Stand 06.01.2006)
Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft und Forsten BRD 3/2008


Seit dem 3. Juli 2004 gelten für die Einreise mit bestimmten Heimtieren (Hunde, Katzen, Frettchen) aus Drittländern die Regelungen einer neuen Europäischen Verordnung (Verordnung [EG] Nr. 998/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Mai 2003 (1) ).
Ziel dieser Regelungen ist der Schutz vor der Einschleppung und Verbreitung der Tollwut. Die Anforderungen an den Gesundheitsstatus der Tiere richten sich grundsätzlich nach der Tollwutsituation sowohl des Herkunfts-Drittlandes als auch des Bestimmungs-Mitgliedstaates in der EU.
Pro Person können höchstens 5 dieser Heimtiere mitgeführt werden. Die Tiere dürfen nicht zum Verkauf bestimmt sein. Für die Durchführung und Überwachung dieser neuen Europäischen Verordnung sind in Deutschland die Bundesländer (? Veterinärbehörden der Bundesländer (2)) zuständig.
Für die Einreise in die EU-Mitgliedstaaten (außer Irland, Malta, Schweden und Vereinigtes Königreich) aus sogenannten gelisteten Drittländern (3)(Anhang II der Verordnung [EG] Nr. 998/2003, Teil B Abschnitt 2 oder Teil C ), muss jedes Tier durch eine deutlich erkennbare Tätowierung oder durch einen Transponder gekennzeichnet sein und in einem Begleitdokument der gültige Impfschutz gegen die Tollwut nachgewiesen werden (inaktivierter Impfstoff mit einem Wirkungsgrad von mindestens einer internationalen Antigeneinheit nach WHO-Norm; die Gültigkeitsdauer des Impfschutzes richtet sich nach den Angaben des Herstellers).
Die traditionell tollwutfreien Mitgliedstaaten Irland, Malta, Schweden und Vereinigtes Königreich können für einen Übergangszeitraum von 5 Jahren ihre verschärften Anforderungen an den Nachweis des Impfschutzes sowie besondere Bestimmungen über antiparasitäre Behandlungen beibehalten.

Ist das Herkunftsland nicht gelistet und somit die dortige Tollwutsituation und ihre Überwachung unklar oder bedenklich, müssen die Tiere vor der Einreise zusätzlich einer Blutuntersuchung auf Antikörper gegen die Tollwut unterzogen worden sein. Diese Untersuchung muss mindestens 30 Tage nach der Impfung mindestens 3 Monate vor der Einreise erfolgen. Dabei hat die Blutentnahme ein in dem jeweiligen Drittland autorisierter Tierarzt vorzunehmen. Die Blutuntersuchung selbst muss in einem von der Europäischen Kommission zugelassenen Labor (4)erfolgen (Anhang 1 der Entscheidung der Kommission 2004/233/EG)
Hierzu muss die Blutprobe an eines der zugelassenen Laboratorien gesendet werden. Es wird empfohlen, vorher mit dem betreffenden Labor Kontakt aufzunehmen, um den Versand der Blutprobe abzustimmen. Sofern der Impfschutz nach der Blutuntersuchung vorschriftsmäßig aufrechterhalten wird, muss diese nicht wiederholt werden. Die 3-Monats-Frist vor der Einreise gilt nicht für die Wiedereinfuhr von Heimtieren aus einem nicht gelisteten Drittland in die EU, wenn bei diesen Tieren vor der Ausreise aus der EU eine Blutuntersuchung mit positivem Ergebnis durchgeführt wurde und dies im Heimtierausweis dokumentiert ist.
Die zuvor genannten Einreisebedingungen müssen mit einer Gesundheits-bescheinigung für nicht gewerbliche Verbringungen von Hunden, Katzen und Frettchen aus Drittländern in die Gemeinschaft" gemäß der Entscheidung der Kommission Nr. 2004/203/EG(5) nachgewiesen werden. Diese Bescheinigung hat ein amtlicher oder autorisierter Tierarzt auszustellen.
Zusätzlich sind Belegdokumente, wie Impfausweis oder Nachweis über die Blutuntersuchung, mitzuführen.
Voraussetzung ist, dass die Tiere in Begleitung einer verantwortlichen Person reisen.

Werden die Tiere von keiner Person begleitet, sondern als "unbegleitete Fracht" transportiert, bedarf es einer "Gesundheitsbescheinigung für die Einfuhr von Hunden, Katzen und Frettchen zu Handelszwecken in die Gemeinschaft" gemäß der Entscheidung der Kommission Nr. 2004/595/EG (6). 3/2008
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DIE EMPFINDLICHKEITEN DER MUSLIME

Oder Alltagshinweise für Touristen in muslimischen Ländern
zusammengetragen von Harry McMartin

Es ist sinnvoll, sich mit den Gepflogenheiten eines muslimischen Landes etwas vertraut zu machen. Hier in Nordzypern werden religiöse Bräuche nicht ganz so ernst genommen wie in arabischen Ländern. Dort sollte man sehr genau auf diese Regeln achten. Hier, im Norden der Insel, geht man etwas weltoffener mit diesen Dingen um. Aber trotzdem ist es gut, einiges zu wissen. Die Empfindlichkeiten muslimisch geprägter Menschen können sehr ausgeprägt sein. Sie zu kennen kann nicht schaden. Denn man sieht in aller Regel keinem an, ob er ein Fundi ist, es sei denn er trägt einen Vollbart, hat ein Käppi auf und blickt finster auf "Ungläubige". Das wiederum sind alle, die nicht seiner eingeschränkten religiösen Vorstellung entsprechen. Deshalb habe ich einmal alles zusammengetragen, was ich im Laufe von fünf Jahren gehört und gesehen habe oder was mir erzählt wurde. Kursive Schreibweise bedeutet eine persönliche Anmerkung des Verfassers:

  1. Regel Nr. 1 für Muslime: Es gibt keinen Gott außer Gott, und Muhammad ist der Gesandte Gottes. Der Islam ist ein Glaube. GLAUBE bedeutet bekanntlich "NICHT WISSEN". Mit diesem WISSEN sollten selbst Atheisten umgehen können und notfalls Rücksicht nehmen auf die, die noch nicht wissen, sondern nur glauben.
  1. Pflichtgebete fünfmal am Tag im Zustand ritueller Reinheit. Freitags in der Moschee unter Anleitung des Vorbeters (Imam).
  1. In der Zeit des islamischen Monats Ramadan enthalten sich gläubige Muslime vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang jeder flüssigen oder festen Nahrungsaufnahme. Auch nicht Rauchen. Jeweils in der Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Mein Gärtner antwortete auf meine Frage, weshalb er denn ständig herumspucke: "Ich darf doch keine Flüssigkeit schlucken zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang." Wir haben ihn während der Zeit des Fastenmonats freigestellt, weil wir uns dieses unappetitliche Gespucke nicht antun wollten.
    • Beendet wird der Fastenmonat mit dem Fest des Fastenbrechens. Norm zwei bis drei Tage feiern. Kinder erhalten Geschenke, oft in Form von Süßigkeiten, deshalb in der Türkei auch benannt als "Zuckerfest".
    • Es entspricht den Regeln der Höflichkeit, dass auch Nichtmuslime Glückwünsche aussprechen. Man kann auch Kartengrüße versenden (bitte möglichst islamische Motive ....... oder neutrale Landschaftsdarstellungen).
    • Obulus von Anwohnern an staatliche Angestellte oder Gemeindeangestellte sind üblich.
  1. Einmal im Leben die heiligen Stätten um Mekka aufsuchen, wenn gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage. Warum nicht. Viele Christen rennen nach Rom, die Juden nach Jerusalem.
  1. Ein Muslime hat sich ständig der Tatsache bewusst zu sein, dass sämtliche Handlungen der Beurteilung durch Gott als dem gerechten Richter unterliegen. Daran sollten sich alle fundamental ausgerichteten Attentäter VOR IHRER TAT erinnern.
    • Beim jüngsten Gericht, am Ende der Zeiten, werden die "Kontobücher" gewichtet.
    • Überwiegend positiv = Paradies; überwiegend negativ = Hölle. Die Auswirkungen schlechter
    • Taten können durch gute Werke in diesem Leben ausgeglichen werden.
  1. Aspekte des Islam stellen ein gern gewähltes Gesprächsthema dar.
    • Es ist empfehlenswert als Nicht-Muslim die positiven Merkmale dieser Religion hervor zu heben. Eine solche Sichtweise vermeidet Streit und sorgt für gutes Klima.
    • Als Christ kann man auf die zahlreichen Übereinstimmungen beider Religionen hinweisen.
    • Kontroverse Themen und Diskussionen um Vorzüge anderer Religionen gegenüber Islam sollte man unbedingt vermeiden. Man bringt einen Muslim dadurch in die Zwangslage, einerseits seine Religion zu verteidigen, andererseits sich gegenüber einem Gast am Ende unhöflich zu verhalten. Kann er diesen Konflikt nicht lösen, wird er Kontakt abbrechen.
    • Das Gebot der Zurückhaltung gilt selbst dann, wenn sich Muslime negativ über ihre eigene Religion äußern. Besser in solche Diskussionen nicht eingreifen. Es genügt, mit Interesse der Diskussion zu folgen. Es könnte ein theoretisches Scheingefecht sein.
    • Auch nicht mit Wissen über Islam brillieren. Man könnte seinen Gegenüber kränken oder beschämen. Schlecht für weitere Gespräche.
    • Die Formel: "La illaha ila Ilah wa Muhammad rasul allah." Bedeutet das Bekenntnis, dass es keinen Gott außer Gott gibt und Muhammad der Gesandte Gottes ist. Durch die ernsthafte, bewusste Aussprache dieser Formel wird ein Mensch nach islamischem Verständnis auch formaljuristisch zum Muslim. Dieser Vorgang ist irreversibel und hat eine Reihe weiterer, unterschiedlicher Konsequenzen zur Folge (Religionszugehörigkeit der Frau und der Kinder u.a.m.)
  1. Besuch in der Moschee.
    • Schuhe ausziehen.
    • Männer wie Frauen passende (weitgehend bedeckende) Kleidung.
    • Der Boden wird zum Gebet abgedeckt. Es werden verschiedene Gebetshaltungen eingenommen, wobei der Betende sich in die Richtung der heiligen Stadt Mekka wendet.
    • Es ist nicht statthaft, einen Muslim, der sich im Vollzug des Pflichtgebetes befindet, dabei zu stören oder zu unterbrechen.
    • Nach dem Freitagsgebet nehmen sich Muslime oft frei, so dass eine Terminierung am Freitagnachmittag oft als unpassend gilt, wenn nicht gar unmöglich ist.
    • Die Anwesenheit von Nichtmuslimen beim Gebet, findet es zu Hause oder an anderer Stätte, wird im allgemeinen nicht als störend empfunden. Der Fremde wiederum sollte sich zurückhaltend und still verhalten. Bei der Teilnahme am Freitagsgebet in der Moschee sind Verhaltensmaßregeln zu beachten.
      • Schuhe oder Sandalen sind auszuziehen.
      • Kruzifixe, Davidsterne, Sternzeichen oder Ähnliches in Schmuckform ist abzulegen oder zu bedecken.
      • Frauen Kopftuch überziehen
      • Bei offizieller Einladung zum Gemeinschaftsgebet zwanzig Minuten vor Gebetsbeginn zur Moschee kommen.
      • Es ist unhöflich, die Moschee vor Ende des Rituals zu verlassen.
      • Keine Fotos oder Filme während des Gebets, es sei denn, es wurde ausdrücklich zuvor erlaubt.
      • Die Gemeinde geht nach Beendigung des Gemeinschaftsgebets formlos normalerweise auseinander. Frauen, aber auch nichtmuslimische Männer, sollten bei Begrüßung oder Verabschiedung vom Imam oder von den Teilnehmern am Gebet auf Händeschütteln verzichten. Normalerweise angedeutete Verbeugung.
  1. Almosengeben
    • Arme erhalten oft u. immer wieder regelmäßig einen kleinen Geldbetrag oder Sachspenden von "ihren Wohltätern". Es kann vorkommen, dass der Bettler durchaus einmal die Initiative übernimmt und Gönner an Spende erinnert.
    • Es ist üblich, dass sich der Spender bei dem Bettler bedankt, wenn er ihm die Gabe überreicht. Er gibt dem Gebenden schließlich die Möglichkeit, eine religiöse Pflicht zu erfüllen.
    • Hilft man einem überraschend in Not geratenen Menschen, der z.B. in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt, ist in strengem Maße Rücksicht auf das Ansehen und die Empfindlichkeit des Bedachten zu nehmen. Jede taktlose Aktion ist zu vermeiden, um den Stolz des Betroffenen nicht zu verletzen. Man kann Boten zwischenschalten oder sagen, man habe alte Schuld zu begleichen. Es gehört zu den Besonderheiten des sozialen Umgangs, dass natürlich alle Beteiligten wissen, wer der Geber und wer der Beschenkte ist. Nur die in Not befindliche Person oder Familie darf nicht in der Öffentlichkeit bloßgestellt werden.
  1. Bilderverbot
    • Ein "Bilderverbot" ergibt sich nicht aus dem Koran, sondern aus islamischer Tradition. Sinn dieses Bilderverbots ist die Vermeidung von Bilderverehrung. Gegenständliche Malerei ist bis zum heutigen Tage eine Kunstform geblieben, die oft mit gewissem Unbehagen gesehen wird. Erst seit dem 19. Jhdt begründete sich eine einheimische Kunstszene. Gegen Landschaftsdarstellungen allerdings bestanden ernsthaft nie Einwendungen.
    • Gern geübte Praxis ist das Aufhängen von Bildern der Regierungsoberhäupter in Amtsstuben, ebenso wie im privaten Bereich. Kritische Bemerkungen insoweit stoßen in aller Regel auf Unverständnis.
    • Es kann auch passieren, dass Menschen unwirsch reagieren, wenn ein Fremder mit der Kamera loslegt, ohne vorher gefragt zu haben. Nicht nur wegen des religiösen Aspekts. Auch wegen des Motivs. Touristen fotografieren gerne pittoreske Motive. Also auch Menschen in traditioneller oder besonders ärmlicher Kleidung, altertümliche Handwerker, etc. Man schämt sich ganz einfach der Armut und Rückständigkeit und ist deshalb peinlich berührt.
  1. Heirat / Kinder
    • Der Mensch sollte verheiratet sein. "Es gibt kein Mönchtum im Islam", sagte Muhammad. Unverheiratete Menschen sieht die islamische Gesellschaftsordnung nicht vor. Unverheiratete Menschen haben es oft schwer. Selbst bei nichtreligiösen Muslimen wird eine unverheiratete Frau bei den Eltern wohnen. Sterben die Eltern wird die junge Frau oft in der Familie eines Bruders oder eines anderen männlichen Verwandten aufgenommen. Es gibt allerdings unverheiratete Frauen, die dann meist finanziell unabhängig sind.
    • Normalerweise wird sehr jung geheiratet. Ein Mädchen ohne einwandfreien Lebenswandel hat geringere Heiratschancen. Das gilt weitgehend bis in die heutige Zeit. Und was "einwandfrei" ist, bestimmt Religion und/oder Familie samt Nachbarschaft.
    • Die Kleidung von Europäerinnen - und auch deren unbekümmertes Strandleben - werden von vielen Einheimischen als Zeichen mangelnder Moral angesehen. Auch die Darstellung von westlichen Frauen in Softpornos führt zu falschem Moralverständnis und kann zu Verhaltensirrtümern führen. Grundsätzliche Zurückhaltung europäischer Frauen gegenüber muslimischen Männern ist deshalb sinnvoll, um solche Irrtümer zu vermeiden. In Nordzypern sind insbesondere die jungen Frauen ausgesprochen modern im europäischen Sinn gekleidet. Die jungen Männer haben sich daran gewöhnt und spannen längst nicht mehr in der unglaublichen Weise manch arabischen Landes. Eine Europäerin, die im Bikini vor ihrem Gärtner herumhopst, wird von diesem trotzdem genüsslich betrachtet, jedoch kaum geachtet. Das vergisst manch eine.
    • Die Heirat ist in traditionellen Familien keine Legitimation einer Verbindung zweier Menschen, sondern zweier Familien. Noch heute sehr oft Ehearrangements.Normalerweise bittet der junge Mann die Mutter, für ihn eine Frau zu finden. Auch junge Frauen sind an solchen Arrangements durchaus interessiert. Sie haben so die Möglichkeit, zuvor alles über den Bewerber zu erfahren. Und sie haben die Möglichkeit, abzulehnen. Da über Dritte angefragt wird, verliert niemand Gesicht. Das gab und gibt es noch heute auch in christlichen und jüdischen Kreisen.
    • Musliminnen die in Europa aufgewachsen sind, kennen das Ideal der Liebesheirat und sehen immer häufiger ein Ehearrangement als Eingriff in ihre persönliche Freiheit an. Das gilt insbesondere auch für Nordzypern.
    • Die Abstammung einer Person wird stets von der väterlichen Linie bestimmt. Das gilt auch für Religionszugehörigkeit.
    • Bei Ehearrangements wird immer ein Ehevertrag aufgesetzt, der das Zusammenleben der zukünftigen Eheleute regelt. Das Brautgeld, das vom Bräutigam aufzubringen ist, wird zum Teil für die Anschaffung von Hausrat verwendet, ein anderer Teil für die Hochzeitsfeierlichkeiten. Der dritte Teil wird von der Familie der Braut in Verwahrung genommen und dient zur finanziellen Absicherung der Frau im Falle der Scheidung.
    • Als Gast bei einer Hochzeitsfeier überreicht man üblicherweise ein Geldgeschenk. Die Höhe der übergebenen Summe wird registriert. Die beschenkte Familie ist verpflichtet, bei einem ähnlichen Anlass eine gleich hohe Summe zu überreichen. Von europäischen Gästen erwartet man üblicherweise nur ein symbolisches Geschenk. Das Geschenk sollte sich immer in dem Rahmen bewegen, dass es von der beschenkten Familie theoretisch auch erwidert werden kann. Ansonsten bringt man die Beschenkten in Verlegenheit. Auch die Gratulation durch Glückwunschkarten ist durchaus üblich.
    • Lädt man selbst Muslime zu europäischer Hochzeit ein, kann es passieren, dass sich diese nur kurz einfinden, ein Geschenk überreichen und sich wieder zurückziehen. Das hat nichts mit Unhöflichkeit zu tun. Aufgrund mangelnder Geschlechtertrennung fühlen sich viele auch unsicher. Das gilt hauptsächlich für traditionell geprägte Landstriche. Undenkbar bei Nordzyprioten (nicht bei zugewanderten Türken aus Anatolien u.ä.)
    • Ziel der Ehe ist es, Kinder zu zeugen. Man wird ständig gefragt, ob man Kinder hat. Sagt man, dass man keine hat, werden vor allem Frauen bedauert. Erklärt man, dass man keine wünsche, wird das immer als Vorwand angesehen, um entweder die Impotenz des Mannes oder die Unfruchtbarkeit der Frau zu verbergen.
    • Grob unhöflich ist es, eine ledige Frau zu fragen, ob sie Kinder hat (eine solch normale Frage auf einer europäischen Behörde wird fälschlicherweise gedeutet, dass der Beamte Ressentiments hegt). Ein europäischer Beamte sollte das wissen und seine notwendige Frage entsprechend formulieren, mit erklärendem Hinweis.
    • Bei Geburt eines Kindes wird erwartet, dass man die Nachbarin oder Freundin besucht. Oft werden dabei auch Geschenke überreicht. Schmuckstücke oder wertvolle Amulette für Mutter oder Kind sind nicht unüblich.
    • In dieser Phase sind Mutter und Kind besonders der Gefahr des "bösen Blickes" ausgesetzt von neidischen Personen oder bösen Geistern. Man darf also nicht das gute Aussehen des Kindes loben. Es könnte als Ausdruck des Neides aufgefasst werden. Kinderkleidung als Geschenk kann als unhöfliche Geste angesehen werden, so als würde man daran zweifeln, dass die Eltern das Kind angemessen versorgen können. Ich gehe sogar so weit, dass ich ein Kleidungsstück - und mag es funkelnagelneu sein - das ich z.B. einem Arbeiter verschenken will, immer als Arbeitskleidung zum Auftragen anbiete.
  1. Tod / Begräbnis
    • Beerdigungen finden rasch nach Eintritt des Todes statt. Möglichst noch am Todestag! Meist jedoch am nächsten Tag. In jedem Fall erfolgt rituelle Waschung durch nächste Angehörige oder Leichenwäscher. Eingewickelt in Leichentücher wird der Leichnam, nur von den Tüchern bedeckt, in die Erde gelegt, mit dem Gesicht nach Mekka.
    • Den Hinterbliebenen wird mit den Worten: "Wir kommen von Gott, und zu ihm kehren wir zurück", die Anteilnahme ausgesprochen.
    • Heftige Gefühlsausbrüche sind üblich. Auch der Einsatz von "Klageweibern" ist möglich. Es gibt aber auch Muslime, die exzessive Trauerkundgebungen als unislamisch ansehen. Schließlich glaubt man an die Wiederauferstehung von den Toten am "Jüngsten Tag". Auch das kommt einem bekannt vor.
    • Von männlichen Trauernden wird eine ernste und gefasste Haltung erwartet.
    • Die Trauerzeit dauert in der Regel vierzig Tage.
    • Islamische Friedhöfe sind unterschiedlich. Es gibt aufwendige Grabbauten, aber auch sehr einfache Gräberfelder. Gleichviel, man betritt einen Friedhof mit Respekt und erkundigt sich vorher, ob das möglich ist.
  1. Umgangsformen
    • Der förmliche Umgang der Menschen in der islamischen Welt ist durch außerordentliche Höflichkeit gekennzeichnet. Die Höflichkeit im Umgang ist unabhängig von einem eventuellen sozialen Status der Gesprächspartner. Herablassung eines Wohlhabenden gegenüber eines Ärmeren wird als Verstoß gegen die Etikette angesehen. Zugleich auch als Verstoß gegen die von Gott gegebene Ordnung.
    • Einen Taxifahrer kann man mit "Chef" oder "Meister" anreden. Ältere Männer können als "Vater" oder "Onkel" angeredet werden. Ältere Frauen bezeichnet man als "Tante" oder "Großmutter". "Mein Herz", "mein Auge" oder "mein Liebling" sind nichts anderes als Höflichkeitsfloskeln gegenüber jemandem, dessen Namen man nicht kennt. Führt jemand einen akademischen, militärischen oder politischen Titel, ist es selbstverständlich, dass man ihn damit anredet, auch wenn man sich näher kennt.
    • Die arabische Begrüßungsformel "as-Salam alaykum" (Friede sei mit Euch) wird beantwortet mit "Alaykum as-Salam" (Mit Euch sei Friede) und ist nach Vorstellungen mancher ausschließlich nur unter Muslimen zu verwenden. Durch den Austausch dieser Begrüßungsformel zwischen zwei Personen entsteht eine Art von gegenseitigem Schutz- und Beistands- oder Friedensvertrag (mit Hinweis auf gemeinsame Religionszugehörigkeit). Wenn ein Nichtmuslime einen fundamentalistischen Muslimen mit dieser Formel anspräche, kann das als Ungehörigkeit empfunden werden, denn er kann einem Nichtmuslimen nicht die entsprechende Antwort geben. Das Ausweichen auf eine andere Formel wäre für den Muslimen wiederum eine Unhöflichkeit. Er wird in einem solchen Fall wahrscheinlich überhaupt nicht antworten und so tun, als habe er die Begrüßung überhört.
    • Normalerweise begrüßt man sich mit der jeweiligen Tageszeit. Merhaba im türkischen Sprachraum passt immer.
    • Umarmungen und Wangenküsse, wenn man sich längere Zeit nicht gesehen hat, sind üblich zwischen Freunden und Bekannten, Frauen und Männern. Auch gibt es lockere Berührungen der Hände.
    • Heftiges Händeschütteln ist aber eigentlich nicht üblich, wird eher oft als peinlich und unangenehm empfunden.
    • Im Anschluss an die Berührung der Hände führt jeder die Hand kurz an die Brust, in besonderen Fällen auch an die Lippen und an die Stirn.
    • Auch Handküsse sind üblich. Auf diese Weise wird ein Abhängigkeitsverhältnis ausgedrückt. Es kann auch eine politische Geste darstellen. Personen, die sich in einem Klientelverhältnis gegenüber einem mächtigen und einflussreichen Mann befinden oder um seinen Schutz nachsuchen, küssen dessen Hand. Wenn der diesen Schutz nicht gewähren will, wird er das nicht zulassen.
    • In der Öffentlichkeit grüßen sich Frauen und Männer, die nicht miteinander verwandt sind, nur sehr zurückhaltend. Frauen vermeiden es sogar, nicht verwandte Männer zu berühren. Auch kein Händedruck. Stattdessen legen sie die Hand kurz auf die Brust. Seltener in modernem türkischen Einflussbereich. Trotzdem lieber Zurückhaltung üben und den muslimischen Gegenüber agieren lassen, wenn man den nicht gut kennt.
    • Man kann sich bei der Wahl der Begrüßungsformel steigern ohne Ende. Es folgt dann immer die Frage nach dem Befinden. Man erwartet mindestens ein "gut" zu hören. Was dann wechselseitig mit einem "Gott sei Dank" ("al-Hamdu li-Ilah") kommentiert wird. Es erfolgen Wiederholungen. Neben der Frage nach dem Befinden des Gegenüber wird auch die Frage nach dem Befinden der Familie erwartet. Treffen Männer aufeinander fragt man nicht nach den Namen der jeweiligen Frauen, sondern allgemein nach dem Befinden der "Beschützten" oder "dem Haus" (damit niemand auf die Idee kommt, man habe besonderes Interesse an den weiblichen Angehörigen des Muslimen) Auch die Frage nach dem Verlauf der Geschäfte darf nicht fehlen.
    • Verabschiedung. Genauso aufwendig. Der Ausdruck des Bedauerns wird erwartet. Küsse und verabschiedende Umarmungen sind ebenfalls nicht ungewöhnlich. Die Regeln der Geschlechtertrennung sind zu beachten (insbesondere in Gegenden die modernem, türkischen Einfluss entzogen sind. Aber auch dort lieber etwas Zurückhaltung üben.)
    • Vorgänge die für die Zukunft geplant werden ist der Satz: "In scha´ Allah" (Wenn Gott will) hinzuzufügen, wenn man möchte.
  1. Gastfreundschaft
    • Die Regeln der Gastfreundschaft wurden von dem Koran aus vorislamischer Zeit grundsätzlich übernommen und mit religiöser Autorität versehen. Im Koran ist oft davon die Rede, dass man sich nicht nur gegenüber Witwen und Waisen, sondern auch gegenüber Reisenden großzügig verhalten soll. Einen Gast zu haben ist eine Ehre und eine willkommene Ablenkung.
    • Im Gegensatz zum traditionellen Umfeld kann es unter städtischen Verhältnissen recht kompliziert sein. Grundsätzlich sollte man nur auf Einladung Haus oder Wohnung aufsuchen und nur auf Aufforderung betreten, auch wenn es sich um Bekannte handelt. (Ausnahme wirklich gute, enge Freunde). Sonst bringt man Gastgeber möglicherweise in Verlegenheit (sind nicht richtig angezogen, es fehlen Getränke oder Nahrungsmittel, man ist andere Verpflichtungen bereits eingegangen etc.). Besuche muss man nicht ankündigen an den Tagen, zu denen gegenseitige Besuche üblich sind (Fastenbrechen, Opferfest, Kindergeburt, etc. Sonst Ankündigung geboten).
    • Selbstverständlich kann man als Mann nur eine Familie besuchen, wenn der Familienvorstand oder ein erwachsenes Familienmitglied zu Hause ist. Es könnte sonst passieren, dass man nicht ins Haus gelassen wird.
    • Offizielle Einladungen in ein Haus erfolgen oft schriftlich. Oft mit Wegbeschreibung. Es ist üblicherweise eine Uhrzeit angegeben.Diesen Zeitpunkt sollte man nicht unterschreiten. Verspätungen allerdings sind üblich. Von Deutschen z.B., von denen man weiß, dass sie Wert auf Pünktlichkeit legen, erwartet man allerdings Pünktlichkeit.
    • Sagt jemand, dass er in "einer Minute" da ist, wird es meist länger dauern. Heißt es dagegen "diese Stunde", kann man mit baldigem Erscheinen rechnen.
    • Bei einer streng konservativen muslimischen Familie wird man als Besucher die Frauen kaum zu Gesicht bekommen. Die Gesellschaft wird streng nach Geschlechtern getrennt stattfinden. Weibliche europäische Gäste können zwar in der Männergesellschaft Platz nehmen. Es wird aber als Zeichen guter Erziehung angesehen, wenn die Frau Wert
    • darauf legt, sich zu den Frauen des Hauses und ihren Gästen zu begeben.
    • Kleine Gastgeschenke sind üblich, das man eingepackt überreicht. Blumen sind dagegen unüblich. Geschenke werden angenommen und unausgepackt zu anderen Geschenken gelegt. Erst später werden Geschenke in Augenschein genommen, wenn die Gäste gegangen sind. Geschenke sollten sich üblicherweise in einem Rahmen halten, der es
    • den Beschenkten erlaubt, sich gelegentlich zu revanchieren. Auf ein großzügiges Geschenk mit einem weniger aufwendigen zu antworten, obwohl man zu mehr in der Lage wäre, gilt als Zeichen für mangelndes Interesse an der beiderseitigen Beziehung.
    • Wird man durch das Haus geführt, ist zu vermeiden, sich allzu begeistert über Einrichtungen zu äußern. Der Gastgeber könnte sich dadurch genötigt sehen, einem diesen Gegenstand als Geschenk zu überreichen. Ggbfls. zurückhaltende Bewunderung ist daher angebracht.
    • Selbstverständlich zieht man die Schuhe aus, betritt man ein Haus, auch wenn man dazu nicht aufgefordert wird (es sei denn, Hauseigentümer trägt selbst Schuhe). Das, weil man mit unreinen Gegenständen in Kontakt gekommen sein könnte (z.B. Blut, Sperma, Körpersekrete, Urin, Fäkalien), was wiederum verhindern würde, dass der Muslim seinen religiösen Pflichten nicht nachkommen kann, die er nur im Zustand ritueller Reinheit praktizieren soll. Unreinheit wird eben durch Kontakt mit unreinen Dingen hervorgerufen. Werden Pantoffel angeboten, sollte man diese annehmen.
    • Die islamischen Speisevorschriften verlangen ein Höchstmaß an Sauberkeit in der Küche. Brot und Reis sind die üblichen Beilagen. Lamm und Geflügel die üblichen Fleischsorten. Rind oder Kalb selten.
    • Wird von einem Muslimen - als Gast bei Europäern - Zurückhaltung beim Fleischverzehr gezeigt (man gibt dann vor, kein Fleisch zu essen) kann das damit zusammenhängen, dass man vermutet, das Tier sei nicht ordnungsgemäß geschlachtet worden (Tier nach Mekka gewandt, der Name Gottes über ihm ausgesprochen, Halsschlagader geöffnet zum Ausbluten. Eine Regel die selbst McDonalds in arabischen Ländern beachtet).
    • Legen nicht die Gastgeber auf, sondern man wird aufgefordert selbst zuzugreifen, ist es ein Zeichen von Höflichkeit zu zögern. Man lässt sich mehrfach auffordern. Hat man also selbst Muslime als Gäste, muss man das beachten. Wenn man nur einmal auffordert, sich zu bedienen, wird das als ungastlich angesehen und die orientalischen Gäste werden dann nichts zu sich nehmen. Zurückhaltung beim Zugreifen muss also nichts mit der Unsicherheit bezüglich ritueller Reinheit der Speisen zu tun haben, sondern kann auch nur höfliche Zurückhaltung sein. Es ist sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um Schweinefleisch handelt und immer wieder zum Zulangen auffordern. Es ist üblich, ständig nachzufüllen. Erst wenn der Gast Reste auf dem Teller lässt und nicht mehr weiter isst, darf man sicher sein, dass er gesättigt ist (das übliche Aufessen der Europäer wird als Aufforderung verstanden, nachzufüllen).
    • Fromme Muslime essen nicht von Silberbestecken. Der Islam untersagt die Verwendung von Edelmetallen zu praktischen Zwecken (Gedanke: Edelmetalle dienen zur Abdeckung der Währung, man könnte also der Wirtschaft schaden).
    • Wird mit der Hand gegessen, wird man üblicherweise auch auf dem Boden sitzen. Dabei darauf achten, dass man seinem Gegenüber nicht die Fußsohlen zuwendet, was als beleidigend gilt. Falls Fladenbrot vorhanden ist, kann man dieses als Besteckersatz benutzen. Wichtig ist, ausschließlich die rechte Hand zum Essen zu verwenden (nur der Teufel isst mit der linken Hand - auch: die linke Hand wird zur Reinigung nach der Notdurft verwendet. Deshalb sollte man auch nicht die linke Hand zur Begrüßung reichen.).
    • Man isst oft schnell und schweigend. Erst nach Beendigung des Essens beginnen die Tischgespräche. (Nicht so in Nordzypern. Hier isst man lange, von Pausen mit Plaudern, Zigarettenrauchen unterbrochen)
    • Themen: Oft über das Essen. Religiöse Fragen wie die Gründe für das Alkoholverbot im Islam. Literarische Themen. Gerne später Witze. Auseinandersetzungen über Unterschiede oder gar Vorzüge verschiedener Religionen sollte man auf jeden Fall vermeiden. Auf die Gemeinsamkeiten hinzuweisen gilt dagegen als Zeichen guter Erziehung. Entsprechend politische Themen.
    • Wird der Kaffee serviert, ist das ein Zeichen für den unmittelbar darauf folgenden Aufbruch.
    • Der Gast wird mindestens bis zur Haustür, möglichst aber bis zum Auto begleitet.
    • Gegeneinladung ist üblich.
  1. Gesten
    • Das einmalige Anheben und wieder Senken des Kopfes aus seiner Normalposition bedeutet Ablehnung. Verstärkt durch einmaliges Anheben der Augenbrauen, verbunden mit leichtem Schnalzen der Zunge, bedeutet klare Ablehnung.
    • Das isolierte Heben der Augenbrauen kann Begrüßung im Vorübergehen bedeuten.
    • Anklopfen mit Zeigefinger an Stirn oder Schläfe bedeutet nicht etwa Hinweis auf mangelnde Intelligenz oder Beleidigung, sondern man will auf die Cleverness oder Intelligenz einer Person hinweisen. Gleiche Geste, um Bewunderung über gute Idee zum Ausdruck zu bringen.
    • Schraubende Bewegung der rechten Hand gegen Uhrzeigersinn in Schläfenhöhe bedeutet "Verrückt". Desgleichen, wenn die geöffnete Hand, nach hinten gewandt, in Ohrhöhe am Kopf vorbeigeführt wird. Der Daumen ist dabei vom Kopf abgewandt. Auch Hinweis auf geringe Bedeutung eines Vorgangs.
    • Wenn man mit rechten Daumen sich über Schneidezähne reibt, bedeutet das: "Nichts da, ich habe nichts".
    • Ist dumme Bemerkung herausgerutscht, beißt man sich leicht auf gekrümmten Zeigefinger der rechten Hand.
    • Beißt man sich mit Schneidezähnen auf Unterlippe, wird Verschwiegenheit angedeutet.
    • Ausgestreckter Zeigefinger der rechten Hand auf das Jochbein unter dem Auge = "Ich kümmere mich darum" oder auch "Du musst aufpassen". Die rechte Hand vor die Stirn: "Total vergessen".
    • Rechter Zeigefinger längs der Nase, Daumen unter Kinn = Verwunderung
    • Bei waagerecht vor dem Körper nach oben gerichteter Handfläche, Daumen, Zeigefinger, und Mittelfinger zusammenlegen und einmal schnell vor dem Körper vertikal hin und her bewegen, signalisiert: "Warte eine Minute. Ich komme sofort zu Dir". Das gleiche langsam bedeutet: "Langsam, gleich"
    • Zusammenlegen der Finger wie vorstehend bedeutet, das ist schön oder das finde ich gut. Kann noch unterstrichen werden mit Zungenschnalzen und Heben der Augenbrauen.
    • Hand mit Innenfläche nach unten waagerecht vor den Körper, weist in Richtung auf eine Person und bewegt alle aneinandergelegten Finger ein- oder mehrmals in schaufelnder Bewegung zu sich hin, bedeutet das "Komm her". (Die entsprechende deutsche Geste, mit nach oben gerichteten Zeigefinger zum Körper einknicken, wird im Nahen und Mittleren Osten nicht verstanden).
    • Bewegt man bei herunterhängendem Arm die Hand nach vorne = "Folge mir"
    • Bewegt man bei hängendem Arm und nach unten geöffneter Hand die Finger nach vorne von sich weg = "Verschwinde".
    • Klopfen mit der flachen Innenhand mehrfach auf Herzgegend bedeutet Unterstreichung der Richtigkeit einer Feststellung.
    • Heftiges Vorbeistreichen der geöffneten Hände mit den Innenflächen aneinander im im Wechsel von Auf und Nieder vor dem Körper, bedeutet energische Ablehnung eines Vorschlages oder eines Vermittlungsangebots und beinhaltet zugleich den Abbruch der Verhandlungen. Bei der Berührung der Hände kann es dabei zu Geräuschen kommen.
    • Mit dem uns bekannten in die erhobenen Hände Klatschen macht man dagegen Dienstpersonal oder Kellner auf sich aufmerksam.
    • Die Geste des Händewaschens in Gürtelhöhe vor dem Körper = "Ich bin an dieser Sache unschuldig. Es ist zwar furchtbar, aber ich kann nichts daran ändern."
    • Das Vorbeiführen der Hand mit geschlossenen Fingern mehrmals an der Gurgel deutet sehr deutlich an "Lass das sonst begibst du dich in große Gefahr" bis zu: "Pass auf, dass ich dir nicht den Hals durchschneide". Üblicherweise sehr ernst gemeinte Geste. Man sollte sich flugs zurückziehen.
    • Wenn man mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand einen Kreis bildet und dann, diesen Kreis öffnend, mit dem Zeigefinger leicht gegen die Kehle schlägt, heißt das "Ich habe Durst".
    • Gleiche Bedeutung: Mehrfaches kurzes Einführen des Daumens in den Mund bei sonst geschlossener Faust.
    • Hat man Hunger, drückt man mit den Spitzen der aneinander gelegten Finger der rechten Hand, mit der Handfläche nach oben, seinen Bauch leicht ein.
    • Mit Schlagen des Handrückens der rechten in die linke Hand wird Vergnügen über Scherz oder gelungenen Witz ausgedrückt.
    • Gleiche Bedeutung: Mehrfaches Klatschen.
    • Das Aneinanderlegen und Reiben der beiden ausgestreckten Zeigefinger bedeutet, dass sich zwei Dinge ähnlich sind. (Wie ich feststellte, oft auch Zeichen dafür, dass zwei gute Freunde sind oder gleiche Denkweise, gleiche Interessen, haben)
    • Eine auf- und niedergehende Bewegung der Hand bei losen Fingern (Geste des Wiegens) bedeutet "Davon habe ich ein Übermaß".
    • Gleiche Bedeutung: Jemand besitzt in gleichem Maße positive wie negative Eigenschaften.
    • Das Fassen mit Daumen und Zeigefinger beider Hände bei ausgestreckten Fingern an sein Hemd signalisiert: Distanz in hohem Maße bezüglich einer Vereinbarung oder einer Person.
    • Schlagen mit der Hand auf Hosen- oder Jackentasche = Ich habe genügend Geld
    • Hat man kein Geld, wird die Tasche umgestülpt.
    • Schlagen mit Faust auf Knie bedeutet, man will sein Bemühen sich einer Sache wieder zu erinnern, zum Ausdruck bringen.
    • Ergebenheitsgesten werden nur bei bestimmten Gelegenheiten, bei der ersten Begegnung mit einer Person, zu Festtagen oder offiziellen Anlässen praktiziert.
    • Tiefe Verbeugung mit ausgestreckter Hand, den Gegenüber dabei ansehend. Nur möglich bei relativ großem Abstand.
    • Handkuss des Untergebenen gegenüber Ranghöheren. Hauptsächlich bei Erstkontakt. Aber auch bei Kindern gegenüber Eltern. Ehefrauen dem Mann.
    • Bei Empfängen oder anderen gesellschaftlichen Gelegenheiten kann man jüngere oder rangniedere Männer sehen, die plötzlich in der Unterhaltung dem ranghöheren mit Daumen und Zeigefinger ein nicht vorhandenes Stäubchen vom Anzug nehmen. Nur eine Ergebenheitsgeste.
  1. Körperdistanzen. In der nah- und mittelöstlichen Welt sind die Körperdistanzen zwischen den Menschen grundsätzlich sehr viel kürzer als in Europa. Das gilt jedoch nur für Menschen gleichen Geschlechts. (Als Mann sollte man z.B. bei offiziellen Gelegenheiten vermeiden, einer Dame die Hand zu küssen.) Geringe Körperdistanz und die häufigen Berührungen sind bei Männern untereinander wie bei Frauen untereinander allgemein üblich. Niemand würde dahinter homosexuelle Neigungen vermuten. Versucht man sich der größeren Nähe zu entziehen, kann ein solches Verhalten als hochmütig und kalt aufgefasst werden.
    • Berührungen im Gespräch mit der Hand sollen Argumente unterstützen oder auf etwas aufmerksam machen.
    • Gegenseitiges Wegschlagen der Hand im Restaurant, wenn es ums Bezahlen geht, ist normal.
    • Bitte um Hilfe wird häufig auch dadurch ausgedrückt, dass der Bittsteller sich bemüht, seinen möglichen Helfer festzuhalten.
    • Durch Berührungen drücken die beteiligten Personen ihre Sympathie füreinander öffentlich aus. Geht Erstkontakt insoweit von ranghöherer Person aus, zeigt der andere keine Zurückhaltung. Umgekehrt wird sehr zurückhaltend agiert.
    • Privatgespräche zweier Personen innerhalb einer größeren Gruppe sind verpönt.
    • Nebeneinander zu stehen oder zu sitzen und bei der Unterhaltung vor sich hin zu sprechen wird als unhöflich angesehen.
    • Die Praxis des häufigen Augenkontaktes bei Gleichgeschlechtlichen wird bei einem Gespräch zwischen Mann und Frau umgekehrt praktiziert. Beide Seiten versuchen dann, möglichst aneinander vorbeizublicken. (Nicht mehr festzustellen in moderner türkisch geprägter Gesellschaft, sehr wohl jedoch bei einfachen Menschen).
  1. Islamische Kleidung. Früher wurde im islamischen Raum durch Kleidung oder zur Kleidung gehörige Accessoires Religionszugehörigkeit, Mitgliedschaft in religiöser Untergruppierung, Ausübung eines bestimmten Berufs, ethnische Zugehörigkeit ausgedrückt. Die Kleidung half bei gesellschaftlicher Differenzierung. Die Geschichte der Kleidung in den islamischen Ländern ist ebenso von ideologischen und politischen Implikationen gekennzeichnet wie die in Europa auch. Die Empfindlichkeiten von Muslimen in Bezug auf ihre Kleidung, aber auch hinsichtlich der Kleidung von Nichtmuslimen, sind durchaus ernst zu nehmen, belegt die Geschichte des nahen und mittleren Orients doch skurrilste Auswüchse bei dem Versuch von Änderungen der Kleidung von Männern und Frauen.
    • Männerkleidung. Unkompliziert. Bedeckt sein soll, der Bereich des "Awrah", also alles was man als beschämend, ungesund oder indezent bezeichnen könnte. Folglich soll der Bereich zwischen Taille und Knie bedeckt sein. Eine Mehrheit jedoch versteht unter dem Begriff "Awrah" nur den Bereich der männlichen Genitalien und des Hinterteils.
    • Frauenkleidung. Die Beschränkungen die sich orthodoxe Musliminnen außerhalb ihres Heims auferlegen, gelten natürlich nicht im familiären Rahmen und im Zusammentreffen der Frauen untereinander in Nachbarschaft, Kreis von Freundinnen und Bekannten. Nach einer unter islamischen Autoritäten weit verbreiteten Ansicht, sollten Musliminnen in der Öffentlichkeit weit geschnittene Kleider tragen, die ihren gesamten Körper bedecken. Von diesen Vertretern werden folglich Jeans oder Miniröcke in der Öffentlichkeit strikt abgelehnt. Der Anteil der Frauen, die traditionellen Kleidungsvorschriften folgen, ist wieder ansteigend, oft auf mehr oder weniger intensiven Druck der konservativen Eltern oder der oft weitgehend ungebildeten und weltfremden Religionslehrer in den Koranschulen. Zur islamischen Kleidung einer Frau gehört gegenwärtig ein bis auf die Füße reichender, weit geschnittener Rock, ein hoch geschlossenes Oberteil mit langen Ärmeln und ein Kopftuch. Gedeckte Farben werden bevorzugt. (Die oft von den Befürwortern vertretene Auffassung, dass man einer jungen Frau, die diese Kleidung wähle, kaum den Vorwurf eines unseriösen Lebenswandels machen könne, ist objektiv gesehen barer Unsinn. Man könnte mit der gleichen Berechtigung die ebenso unsinnige Auffassung vertreten, eine so verhüllte Frau wolle die Männer neugierig machen, anregen etc.. Die insbesondere von zypriotischen Männern türkischer Abstammung gemachten Scherze stützen gar die letztgenannte These, denn sie behaupten gerne, die Frauen hätten unter einem Schador oft gar nichts an und wären so viel schneller bereit) . Nordzyprische Frauen sind im allgemeinen sehr modern eingestellt in Bezug auf Kleidung und fallen gegenüber anderen europäischen Frauen eher durch ausgesuchten Chic und Modebewusstsein auf.
    • So ist auch die Verschleierung des Gesichts im türkischen Einflussbereich geradezu verpönt und im höchsten Maße unerwünscht, wird doch bereits das Tragen eines Kopftuches von einer modernen türkischen Bürgerin - und sowieso von der modernen nord-zyprischen Frau - strikt abgelehnt, was allerdings nicht für den anatolischen Raum oder Türkinnen fundamentalistischer Prägung gilt. Die Frage der Verschleierung des Gesichts ist nicht eindeutig zu beantworten, aufgrund unterschiedlichster Positionen der muslimischen Rechtsgelehrten. Das gleiche gilt für die Verwendung des Schadors (Ganzkörperschleier) oder das Tragen von Handschuhen. Die Mehrheit der Gelehrten meint, dass die Bedeckung des Gesichts, das Tragen eines Schadors oder gar von Handschuhen keine Verpflichtung für eine Frau ist. Grundsatz ist, dass sich die Muslime einer besonderen Bescheidenheit in allen Kleidungsfragen befleißigen sollen. So sind für Frauen Seidenstoffe zulässig, für die Kleidung von Männern allerdings nicht. Daraus hat sich gegenwärtig die Vorstellung entwickelt, dass man nichts tragen solle, was als Hinweis auf Arroganz oder Stolz angesehen werden könnte. Aus diesem Grund ist auch Männern das Tragen von Schmuck, wie Ringen, Armbändern, Ketten aus Gold und Silber nicht gestattet. Frauen dagegen dürfen das und machen freudig Gebrauch davon. Denn diese Gegenstände sind ihr persönlicher Besitz und können nur von ihnen selbst veräußert werden.
    • Der Verwendung von Duftstoffen ist man grundsätzlich nicht abgeneigt.
    • Das Schminken sollte das Erscheinungsbild einer Frau nicht zu stark verändern. Gleiches gilt auch für das Färben der Haare oder die Benutzung von Nagellack, Verwendung von Haarteilen oder kosmetischen Operationen. Sogar das Tragen hochhackiger Schuhe wird von Traditionalisten als unislamisch angesehen,was die moderne muslimische und insbesondere türkische oder zyprische Frau allerdings nicht beachtet.
    • Beschränkungen dieser Schminkpraxis für Europäerinnen, die im Orient leben, sind allerdings nicht gegeben, solange sie nicht den guten Geschmack verletzen.
    • Überraschend kompliziert ist auch die Frage der Barttracht der muslimischen Männer.
      • Die Mehrzahl der barttragenden Männer im Nahen und Mittleren Osten tragen lediglich einen Schnurrbart, wenngleich dieser nicht als typisch islamisch anzusehen ist.
      • Das Tragen eines kurzen oder längeren Backenbartes oder eines Vollbartes wird in manchen muslimischen Staaten als Kennzeichen einer besonders radikalen islamischen Haltung angesehen, auch wenn es sich bei den Trägern nicht um Islamisten handelt.
  1. Handeln und Feilschen
    Es gibt die islamische Vorstellung von "Gott als dem großen Rechner". Wie bereits erwähnt notiert Gott - nach weit verbreiteter islamischer Anschauung - die guten und die schlechten Taten der Menschen in großen Kontobüchern, wobei gute gegen schlechte Taten aufgerechnet werden können.Es fällt einem aufgeklärten Europäer schwer, sich einem solchen, recht naiven Gedankengang, zu öffnen. Wie im Christentum wird von den Muslimen "Glauben" eingefordert und die fundamentalistischen Gruppierungen "glauben" denn auch alles, was ihnen in ihre religiöspolitisch geprägte Denkweise passt und fordern eben das, diesen unbedingten Glauben, insbesondere von ihren Anhängern (zum Vorteil von wem?). Diese (kindlichnaiven) Vorstellungen haben dazu geführt, dass der Islam als eine "Händler-Region" von manchen bezeichnet wird (z.B. von dem Orientalist Maxime Rodinson).
    IN NORDZYPERN IST DAS NACHSTEHENDE HANDELN UND FEILSCHEN EHER TOTAL UNÜBLICH. MAN KANN VIELLEICHT EINMAL ZEHN PROZENT ERHALTEN. DAMIT HAT ES SICH ABER AUCH.
    • In der Regel sind die Angebote auf den Bazaren und in den Geschäften nicht mit Preisschildern ausgezeichnet. So ist das freie Aushandeln von Preisen im Orient grundsätzlich auch nicht nur auf den Bazar beschränkt sondern vollzieht sich auch in allen anderen Bereichen des Geschäftslebens und darüber hinaus in sozialen Abläufen.Bei einem - auch in Nordzypern - der nicht Preise auszeichnet, der fordert quasi zum Handeln auf!
    • Man kann z.B. um die Höhe einer Geldstrafe mit einem Polizisten handeln oder mit dem Richter um die Dauer einer Gefängnisstrafe, um Brautpreis mit den zukünftigen Schwiegereltern, um die Dauer des Urlaubs mit dem Arbeitgeber (eher nicht im türkischen Einflussbereich).
    • Man kann oft davon ausgehen, dass fixe Kosten wie Miete, Elektrizität, Telefon u.ä. nicht im Vordergrund der kaufmännischen Überlegungen stehen und zwar aus unterschiedlichsten Gründen (Läden stehen oft im eigenen Eigentum oder in dem frommer Stiftungen, die oft nur geringe Mieten nehmen). Auf die Kosten der Arbeitszeit wird wenig Rücksicht genommen, zumal die allgemeinen Bedürfnisse der Händler und ihrer Familien oft sehr gering sind (wenngleich sich dies zur Zeit rapide ändert).
      • Hauptkalkulationspunkte sind die Gestehungs- oder Einkaufskosten. Manchesmal werden gar Verluste bewusst hingenommen, nur um das Geschäft zu machen, in der Hoffnung, beim nächsten Kunden den "Schaden" wieder herein zu holen.
      • Die Rituale eines Handels können auf ein Minimum reduziert werden, wenn es sich um Kunden und Händler handelt, die sich schon länger kennen.
      • Anders bei Neugeschäft. Das wichtigste beim Handel ist zunächst der Austausch von Informationen, zumal wenn Händler noch Kunde über die Marktsituation für bestimmte Produkte genau im Bilde sind. Jeder versucht herauszufinden, was für den anderen der wirklich angemessene Preis ist. Der Händler weiß allerdings, was der Mindestpreis ist, den er für sein Angebot erzielen muss, um keinen Verlust zu machen. Der Kunde sollte sich klar darüber werden, was ihm die Ware wert ist und nicht darüber abschließen. Zwischen diesen beiden Positionen kann sich dann ein Preis herauskristallisieren, der beiden Verhandlungspartnern als guter Abschluss erscheint.
      • Der Händler erfasst auch schnell die Vorlieben seines Kunden. Er ist in der Lage, bestimmte Kundentypen in deren Kaufverhalten einzuschätzen. Der Kunde wird auch nach seiner Nation - und deren allgemeiner Kaufkraft - eingeschätzt, desgleichen aufgrund seiner Kleidung (handelt es sich um einen städtisch geprägten Typ oder um einen eher bäuerlicher Herkunft oder aus offenkundig unterer sozialer Schicht).
      • Es ist legitim, potentielle Kunden anzusprechen. Man will herausfinden, wie gut die Kenntnisse des Kunden über die Marktsituation sind. Man verübelt aber auch nicht, wenn man das Angebot, den Laden zu betreten, freundlich und bestimmt ablehnt. Man kann ohne weiteres einen Verkäufer vertrösten und ihm versprechen, gelegentlich nocheinmal vorbei zu kommen. Dass sich ein Interessent zunächst informiert und sich Überblick verschaffen will, wird als klug angesehen. Bei einer Tasse Kaffee oder Tee erfährt der Händler so einiges. Für den Kunden verbindet sich mit der Akzeptierung des Getränks keinesfalls irgendeine Kaufverpflichtung.
      • Sucht man in einem Laden einen Artikel, den dieser nicht führt, ist es nicht ungewöhnlich, dass Ladenbetreiber einem zu einem Kollegen begleitet, der solche Artikel führt. Oder er schickt einen Gehilfen weg, um den Artikel irgendwo schnell zu besorgen und "findet" den dann doch noch irgendwo im Lager.
    • Touristen haben genug Geld. So die allgemeine Einschätzung. Kostet doch die Reise oft so viel, wie der Händler über Monate hinweg nicht verdient. Es kann zu maßlosen Preisforderungen kommen, weil der Händler versucht, bei einem einzigen Kunden den Gesamtgewinn eines Tages hereinzubekommen. Ein Trick dabei ist, dass z.B. ein Angestellter einen Preis benennt, wobei er vom Inhaber mit Vorwürfen begleitet unterbrochen wird, mit dem Hinweis, der Verkäufer habe einen total falschen Preis benannt, der sogar unter dem Einkaufspreis läge. Da der Preis aber von diesem Tölpel genannt sei, wolle man (Allahallahallah) - auch wegen guter zukünftiger Geschäftsbeziehungen etc. - trotz des Verlustes zu diesem Preis abschließen. Es ist klar, dass es sich keinesfalls um einen niedrigen Preis handelt, der zu einem Verlust führt. Eher im Gegenteil.
    • Selbst dann sollte man höflich aber bestimmt ablehnend sich verhalten.
    • Eine Erwartung ist, dass ein Freund gegenüber einem Freund sich mit einem geringeren Gewinn zufrieden gibt. Dieses Prinzip funktioniert in aller Regel im Umgang untereinander. In der Zusammenarbeit mit europäischen Geschäftspartnern oder Bekannten wird diese Erwartung jedoch oft enttäuscht.
    • Es gibt keine Standardregeln für den erfolgreichen Handel. Man hört oft ausweichende Antworten auf eine Preisanfrage, wie z.B. "Gib was Du willst". Darauf nicht eingehen. In jedem Fall ein Angebot des Händlers fordern. Dieses erste Angebot wird dann in der Erwartung gemacht, dass der Kunde ein deutlich niedrigeres Gegenangebot abgibt.Es gibt Europäer, die behaupten man solle im Orient sein erstes Angebot bei ca 30% des Händlerangebots platzieren. Es käme dann zu einem weitgehend gerechten Treffen bei ca 50 - 70% der ersten Forderung.
    • Hat man sich auf einen Preis geeinigt, wird der Händler oft versuchen, weitere Sachen zu verkaufen - schließlich ist die erste Kaufhemmung gebrochen. Oft erhält man beim Verlassen des Geschäfts noch ein kleines Geschenk, mit dem Ausdruck der Hoffnung, dass der Kunde bald wieder kommen möge.Schenkt einem der Verkäufer einen größeren Artikel zu der gekauften Ware, darf man davon ausgehen, dass man gerade einen stark überhöhten Preis gezahlt hat. Der Verkäufer beruhigt damit sein Gewissen und gleicht seinen Minuspunkt in Gottes Kontobuch wieder aus.
    • Gute Einkaufszeiten sind morgens. Ist man der erste Kunde, kann man mit einem günstigen Preis rechnen, weil dieses erste Geschäft als gutes Omen angesehen wird und der Händler sehr an seinem Abschluss interessiert ist. Auch kurz vor Geschäftsschluss lässt sich oft ein guter Preis erzielen, vor allem, wenn das Geschäft des Händlers über den Tag hinweg schlecht frequentiert war.
    • Schlechte Einkaufszeiten hingegen sind kurz vor der Mittagspause oder die Zeit vor dem Gebet. Dann kann ein frommer Händler häufig nicht die Geduld für längeren Handel aufbringen und verzichtet lieber auf das Geschäft. Auch ein Kauf während des Ramadan ist ungünstig. Weniger Geschäfte sind geöffnet. Händlerpreise lassen sich besser durchsetzen. Süßigkeiten haben Konjunktur. Desgleichen der Bekleidungshandel.
Abschließend sei angemerkt, dass sich obige Ausführungen auf subjektive Erfahrungen stützen. HMcM
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  • 10. WELTMACHT DEGENERIERT ZUM GOTTESSTAAT
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  • 6. Zwei Kommentare aus der Presse Pro/Contra (gefunden von Jochen Wahle)
  • 5. Die Fundis nagen und man lässt es geschehen
  • 4. Antikes ganz aktuell
  • 3. Die Schlafstelle des Hundes
  • 2. Hunde an den Stränden
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