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Buntes in und für NORDZYPERN -
Ausgabe August 2010




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DAS 5-JAHRES-RUNDUM-SORGLOSPAKET

Es ist ein kleiner Schritt zu einem glücklichen Moment. Wage ihn, denn nur den Mutigen winkt das Glück und die Gelegenheit, sich große oder kleine Träume in der Zukunft zu erfüllen.


Wir eröffnen realistische Chancen für diejenigen die wissen, nichts im Leben gibt es ohne Einsatz. Nur Mut zur Überwindung von Passivität wird belohnt.

>> SORGLOSPAKET


Ute-Marion Wilkesmann
UTES VOLLWERTECKE
Von Ute-Marion Wilkesmann

HEUTE: Die vier positiven Vollwert-Säulen



Wir kommen ab jetzt zum schönen Teil der Vollwertregeln, nämlich den positiven Seiten.

Das erste "Ja": Jeden Tag ein Frischkorngericht
An erster Stelle steht das Frischkorngericht. Bei Bruker und noch eine Weile danach hieß es "Frischkornbrei". Ich fand die Bezeichnung immer schon sehr unschön, weil es erstens nach etwas Gekochtem, und zweitens pampig und unappetitlich klingt. Dies in Lahnstein angesprochen, hieß es vor fünf Jahren noch: Ja, aber wenn wir Frischkornmüsli sagen, denken die Leute, wir meinen Müsli aus der Fertigpackung.
Dieses Argument steht jedoch auf wackligen Füßen, genauso gut könnte ich nämlich behaupten, bei der Bezeichnung Frischkornbrei würden die Leute dann Instantflocken in Wasser einrühren. Mittlerweile wird aber auch in Lahnstein von Frischkorngericht gesprochen, eine Bezeichnung, die ich sehr passend finde. Denn sie lässt schon erahnen, dass dies mehr ist als nur ein Frühstück.

Was zeichnet das Frischkorngericht aus?
Getreide ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der gesunden Ernährung. Dies wird heute bedauerlicherweise gelegentlich abgestritten, auch von Rohköstlern, die sogar so abenteuerliche Behauptungen aufstellen, dass Getreide erst quasi vor kurzem in der Menschheitsgeschichte aufgetaucht ist. Dies ist mittlerweile widerlegt. Getreide ist für viele Vorgänge im menschlichen Körper ungeheuer förderlich, und zwar am besten sowohl in der erhitzen als auch der unerhitzten Form. Und diese unerhitzte Form ist das Frischkorngericht, das viele wichtige Vitalstoffe (Vitamine, Mineralien usw.) enthält. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, dass irgendwelche Bestandteile "giftig" seien oder die Herstellung des Frischkorngerichts zu Schäden führt. Dies ist Antipropaganda. Bruker hat 50.000 Patienten das Frischkorngericht verabreicht - immer mit Erfolg. Auch wird jeder Vollwertler bestätigen können, dass das FKG Schwung und Energie in das Leben bringt, die man vorher nicht kannte. Nicht wenige Menschen haben überhaupt erst mit diesem Gericht zur Vollwert gefunden.

Woraus besteht das Frischkorngericht?
Bruker selbst führt immer zwei Standardversionen an, einmal die mit geschrotetem und eingeweichtem Korn nach Prof. Kollath und zum anderen die mit gekeimten Getreidesprossen nach Dr. Evers. Der wirkliche Kernpunkt ist einfach nur, dass das Getreide roh gegessen wird, wobei das Einweichen des Getreideschrots noch eine zusätzliche positive Enzymentwicklung bringt, das Keimen wiederum mehr Vitamine. Zwingend ist das aber nicht und so sollten wir uns davor hüten, diese Mahlzeit immer wieder gleich zu gestalten und uns so durch Langeweile den Appetit daran zu verderben. Wie genau diese beiden Rezepte aussehen, führe ich hier nicht weiter aus, weil sie in Brukers Büchern immer wieder abgedruckt sind.
Wenn wir das Getreide schroten oder flocken, so ist es sehr wichtig, dass wir die Produkte umgehend weiterverwenden, damit es nicht zu einem Verlust von Vitalstoffen kommt.

Wann esse ich das Frischkorngericht?
Die Zeit des Verzehrs ist völlig egal. Eingebürgert hat es sich bei den meisten Menschen, dass sie es zum Frühstück und als Obstvariante essen. Zwingend ist das aber nicht. Hauptsache, wir nehmen einmal am Tag rohes Getreide zu uns - die Tageszeit oder die Art der Mahlzeit ist dabei völlig gleichgültig.

Welche Möglichkeiten gibt es?
Wie schon erwähnt, gibt es die Einweichmethode und das Keimverfahren. Genauso gut aber können wir - wenn unser Gebiss gut genug ist und wir intensiv kauen - einfach das Getreide uneingeweicht essen, sowohl als Korn, Schrot oder Mehl. Die im "Urrezept" festgehaltenen Zutaten Sahne, Zitronensaft, geriebener Apfel, Obst der Saison sind nette Extras - aber keine Verpflichtung. Dies als unveränderliche Regel gesehen, steht manchem im Wege, wenn er überlegt, wie er sich das denn nun einmal variieren kann.
Wichtig ist, dass wir das Getreide ab und zu wechseln. Jedes Getreide hat seine eigenen Vorzüge, und wenn wir unser Leben lang immer nur rohen Hafer essen, so wird das nicht nur langweilig, sondern wir verpassen auch die guten Stoffe, die in anderen Getreiden womöglich reichlicher vorhanden sind.
Gut zum Essen ohne Einweichen - wenn wir das mal vergessen haben - sind entweder geflocktes Getreide oder auch ganze Körner. Buchweizen ist besonders knackig, wenn wir ihn einfach über ein wenig Obst oder Gemüse streuen. Zu Flocken verarbeiten können wir nicht nur Hafer, der mit Einkorn zu den weichen Getreiden zählt, sondern auch Roggen, Weizen, Dinkel usw. Die härteren Getreide ergeben nur optisch "weniger ansprechende" Flocken, ihr Wert ist aber derselbe.
Getreidearten, die sich ungeschrotet und eingeweicht verwenden lassen, sind neben Buchweizen noch Hafer, Einkorn und Hirse. Dies ist gut zu wissen, wenn wir auf Reisen gehen, uns aber nicht mit einer Mühle oder einem Flocker abschleppen möchten.
Beim Keimen ist wichtig, dass wir das Getreide nicht zu lange keimen lassen. Eine Sprossenlänge von 1-2 mm ist ideal. Sobald nämlich die kleinen Keimlinge einen Blattansatz oder Blätter entwickeln, geht die Kraft des Korns in den Keimling statt zu uns.

Süß oder herzhaft? Sahne oder nicht?
Es ist so in unser Gehirn eingehämmert, dass ein Frischkorngericht als süßes Frühstück gegessen wird, dass wir häufig gar nicht auf die Idee kommen, es auch einmal mit einer herzhaften Variante zu probieren. Tomaten, Gurken, Kohl - alles eignet sich in Kombination mit dem Getreideschrot oder auch Getreidesprossen.
Wir sollten uns auch frei davon machen, dass unbedingt Sahne oder Nüsse hinein müssen. Wenn ich sowieso den ganzen Tag viele Nüsse esse, brauche ich das im Frischkorngericht nicht. Auch die Sahne ist kein "Muss", sie lässt sich prima durch ein gutes Öl ersetzen. Dies ist besonders interessant für Menschen, die Tierprodukte per se ablehnen. Wenn wir uns einmal von diesem "Urrezept" gelöst haben, das ja eine Hilfe sein soll und keine Pflichtvorgabe, nimmt der Ideenreichtum möglicherweise gar kein Ende. Ein fein geschrotetes Getreide als Zugabe zu einem Salatdressing? Einfach köstlich! Oder auch als Teil eines Obstsalats eignen sich Flocken, Sprossen und Mehl. Gerade wenn wir das Mehl miteinbeziehen, wird auch klar, dass es auch keine Altersgrenze für diese Mahlzeit gibt: Wer so schlechte Zähne hat, dass ihm das Zerbeißen von Getreideschrot Mühe macht, wählt eben die Variante mit Mehl, quasi ein Frischkorn-Smoothie.

Zu welcher Tageszeit essen wir das Frischkorngericht?
Für Frühstücksmuffel beruhigend kann ich sagen: Das ist völlig egal. Wer nicht gerne frühstückt, muss jetzt nicht damit anfangen. Wichtig bei einer Ernährungsumstellung ist ja auch, dass wir besonders liebgewonnene Angewohnheiten beibehalten können. Wenn ich prinzipiell nicht frühstücke und morgens nichts Süßliches mag: Wie soll ich mich da für die Vollwertkost begeistern, wenn ich plötzlich gezwungen wäre, schon morgens zu essen, und dann auch noch süß?

Erlaubt ist, was gefällt
Im Grunde ist alles beim Frischkorngericht erlaubt, wenn wir einfach im Kopf behalten, dass es hier um Frische geht. Das heißt, auch Trockenfrüchte können mal Abwechslung bringen, sind aber als regelmäßige Beigabe nicht erwünscht. Und Milchprodukte sind gänzlich ungeeignet, weil sie zu Unverträglichkeiten führen können. Gerade wer Heranwachsende im Haushalt hat weiß, wie wichtig Abwechslung ist. Also nicht immer dasselbe Schrot mit Apfel, Sahne, Nüssen und Zitronensaft! Wem partout selbst nichts einfallen möchte, braucht sich nur ein wenig in der Vollwertliteratur umzusehen, dort gibt es genügend Literatur, die uns da weiterhilft. 7/2010


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Wie
Pervin Canseven

Wie hört man einen Bach plätschern,
wenn man taub ist?

Wie sieht man die Sterne am Himmel,
wenn man blind ist?

Wie spricht man die Liebe aus,
wenn man stumm ist?

© pkc 7/2010
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Foto DER MALER SALIH MUSTAFA CIGEL
Heinz Herbert

Mitte des Monats stellte der nicht nur Insidern bekannte vierundsechzigjährige nordzyprische Maler Salih Mustafa Cigel im Colony-Hotel, Girne, endlich wieder einmal aus. Der in Larnaka geborene Künstler wohnt und arbeitet in Lapta.
Thema: Die Blumen Zyperns.



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Staatspräsident Dervis Eroglu hielt die Laudatio, und ein recht exklusives Publikum würdigte diesen bescheidenen, bereits seit Jahrzehnten eher im Stillen wirkenden Künstler. Meine Frau und ich kauften schon vor mehr als neun Jahren von ihm das nebenstehend abgelichtete Gemälde und erfreuen uns noch heute daran.



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Schon damals erkannten wir: Da lebt ein Ungezähmter seiner Malerei und schwätzt nicht nur darüber.
Leider wird so einer dann auch gerne einmal übersehen von denen, die ich "Zirkelkünstler" nenne. Solche sind weltweit verbreitet. Sie wirken am Liebsten im erlauchten Kreis und in ihrer Begeisterung füreinander laufen sie Gefahr, einen Tunnelblick zu entwickeln. Salih Mustafa Cigel ist alles andere als einer, der großen Gruppengeist entwickelt - er wirkt lieber leise und verkauft gut.

Wer Salih Mustafa Cigel nur ein bisschen kennt, kennt auch sein Atelier, und wer dieses Atelier gesehen hat, erfasst ganz schnell, welcher Art Besessenheit da einer frönt, ohne Rücksicht auf Trends und Moden.




Ich habe mich allerdings gefragt, warum er nach langen Jahren gerade mit der Thematik *Blumen Zyperns* eine Ausstellung gestaltete, kenne ich ihn doch mit ganz anderen, irgendwie spektakuläreren Arbeiten. "Es wird ihm ein Bedürfnis gewesen sein", mutmaßte meine Frau sicherlich zutreffend, und: "Es ist doch auch ein Zeichen für das breite Spektrum seines Schaffens und die Vielfalt seines Könnens."



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Wir haben uns jedenfalls sehr gefreut, dass dieser stille, sympathische Maler wieder Gelegenheit nahm, eine Ausstellung zu gestalten. 7/2010



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Foto NOT MORE AS AN HORNY STAR
Heinz Herbert

BIOprodukte in der Europäischen Union müssen jetzt das oben gezeigte, neue EU-Bio-Siegel tragen. Hat dieses neue Siegel irgendeine weitergehende Bedeutung? NEIN! Es steht für die gleichen Kriterien wie das sechseckige deutsche Bio-Siegel, mit der Ausnahme: Es ist verpflichtend.
Natürlich gibt es eine Übergangszeit, in der Bio-Lebensmittel in alten Verpackungen noch abverkauft werden dürfen. Zwingend ist das Logo seit Juli 2010 für alle verpackten Bioprodukte, soweit die innerhalb der EU hergestellt worden sind, was zeitgleich die Einführung einer neuen Herkunftskennzeichnung bedingt.
Foto Da neben dem EU-Logo auch weiterhin nationale Logos, wie beispielsweise das deutsche Bio-Siegel verwendet werden dürfen (neben regionalen oder privaten Logos von Anbauverbänden) haben wir es weiter mit einer Vielfalt von Sicherheitssymbolen zu tun, die eine klare, unmissverständliche Regelung vermissen lassen. Das neue europäische Bioblatt wird da eher nur als "Horny-Star" wahrgenomme, zumal: Alle Bio-Lebensmittel haben zwar die Kriterien der EU-Öko-Verordnung zu erfüllen, dürfen aber trotzdem darüber hinaus gehen.
Da spezifische Anbauverbände zusätzliche Anforderungen an ihre Produzenten stellen, stehen somit das deutsche und das EU-Biosiegel eher für Bio-Mindeststandards, anstatt für eine hohe Bio-Norm, was sinnvoller erschiene.
Klarheit bringt dagegen die Herkunftskennzeichnung. Auf den Bio-Produkten muss künftig vermerkt sein, ob die Ausgangsstoffe aus "EU-Landwirtschaft" oder "Nicht-EU-Landwirtschaft" stammen. Bei Mischprodukten muss der Begriff "EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft" angegeben sein. Sind alle Inhaltsstoffe in demselben Land erzeugt, kann ersatzweise oder ergänzend das genaue Land angegeben werden.

Der Wust an nichtssagenden Gütesiegeln, die sich Hersteller teilweise selbst verleihen, bleibt unverständlicherweise bestehen und der "Horny-Star" geht unter in der Vielfalt von Ablenkungsgarantien. "Qualitätsgarantie", "Aus kontrolliertem Anbau" oder "Geprüfte Qualitätssicherung" zeigen nur, dass diese Produkte das staatliche Qualitätssiegel nicht erhalten haben, aus welchen Gründen auch immer.
Schade, wieder einmal hat die EU nur so getan, als würde sie Klarheit ins EU-Chaos bringen. 7/2010


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ACH, DIE FUSSBALL WM 2010
Heinz Herbert

Da habe ich eindeutig doch wieder länger vor der Glotze gesessen und mir auch die Kicker anderer Nationen reingezogen, egal wie langweilig deren Spiel oft genug gewesen war.
Beim vorweggenommenen Endspiel eliminierte die spanische Nationalelf unsere deutschen, wider meiner Erwartung munter aufspielenden, Hoffnungsträger klar und unzweideutig, infolge dessen sie unseren holländischen Freunden das Endspiel überlassen mussten.
Aber auch die hatten sich den überragenden Spaniern zu beugen, die mit diesem Sieg erstmals eine Fußballweltmeisterschaft errungen haben.
Klar, die spanische Presse geriet etwas aus dem Häuschen und mutmaßte gar, das Land werde danach auch seine aktuellen Wirtschaftsprobleme überwinden. Sicherlich ein Trugschluss, auch wenn die aufgekommene Begeisterung von der Schwierigkeit des Landes ablenkte. Den künftigen Herausforderungen werde man nach diesem Sieg mit Mut begegnen, las ich, und: "China kaufte unmittelbar nach der WM für eine Milliarde Euro spanische Anleihen."
Der dritte Rang bei dieser WM schützte Deutschland vor der deutlich nachhaltigeren Erfahrung, in einem Endspiel unterlegen zu sein und den Beobachter vor grölendem Überschwang vermeintlicher deutscher Allmacht.
Bleibt wenigstens etwas von diesem Milliardenspektakel in Südafrika hängen, außer der Erkenntnis, dass die Franzosenkicker keine Cojones haben? Vielleicht. Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung scheint in naher Zukunft möglich - wenn keiner der Globalplayer foul spielt. 7/2010

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DAS REISERECHT AUCH IN ANSPRUCH NEHMEN
Harry McMartin

Die Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner, bei der man nicht immer erkennt, dass sie eine Ministerin für Verbraucherinteressen ist, hat eine Informationsschrift mit den wichtigsten Rechten von Flug- und Fahrgastrechten vorgestellt. Die gehen weiter als viele mutmaßen, denn Reisende zu Land und in der Luft sollen künftig besser hinsichtlich ihrer Rechte informiert sein. Interessant ist dabei, dass Flugpassagiere bei abgesagten Flügen oder verloren gegangenem Gepäck nach EU-Normen oft mehr Rechte haben, als die Unternehmen ihnen zugestehen.

Im Einzelnen:

ZUG:
Bei eingetretener Verspätung am Zielort:
Ab 60 Minuten 25 % Fahrpreiserstattung
Ab 120 Minuten 50 % Fahrpreiserstattung
Ab 60 Minuten Zeitkarteninhaber: Pauschalentschädigung
Zusätzlich ab 60 Minuten: Mahlzeiten und Erfrischungen, sofern verfügbar
Zusätzlich ab 60 Minuten Übernachtungskosten-Erstattung inkl. Transfer und Erstattung angemessener Telefonkosten, wenn erforderlich.
Ab 60 Minuten zwischen 0 und 5.00 Uhr oder bei Ausfall de fahrplanmäßig letzten Zugs des Tages: Kostenerstattung für Ersatzverkehrsmittel (Bus oder Taxi) bis max € 80,00

Vor Reiseantritt absehbare Ankunftsverspätung:
Ab 20 Min. nur im Nahverkehr: Benutzugn auch höherwertiger Züge
Bei mehr als 60 Minuten: Wahl zwischen voller Fahrpreiserstattung doer späterer Fahrt, auch mit geänderter Streckenführung, aber unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen.

FLUG:
Nichtbeförderung wegen Überbuchung:
Wahl zwischen Flugpreiserstattung, Rückflug zum ersten Abflugort und vergleichbarer Ersatzbeförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt.
Mahlzeiten und Getränke, zwei kostenlose Telefonate, Faxe oder E-Mails. Wenn notwendig, Hotelunterkunft für eine oder mehrere Übernachtungen inklusive Transfer.
Zusätzlich: Entschädigung von 250 € (bis 1500 km Strecke), 400 Euro (bis 3500 km Strecke) 600 bei mehr als 3500 km Strecke.

Annullierung:
Wie oben. Aber: Entschädigung entfällt wenn Annullierung mindestens 14 Tage vor Abflug mitgeteilt wurde oder auf höhere Gewalt zurückgeht (z.B. Naturkatastrophe).

Verspätung:
Ab 3 Std: Entschädigung wie oben
Ab 5 Std zusätzlich: Wahl zwischen Flugpreiserstattung, Rückflug zum ersten Abflugort und vergleichbarer Ersatzbeförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt. 7/2010
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Bild NEUES AUS DEM KASPERLETHEATER
Heinz Herbert

Ich gebe zu, auch ich mag diese üblen Nachrichten über Missbrauchsfälle aus christlichen Kirchenkreisen nichts mehr lesen. Es ist einfach unfassbar und man möchte es eigentlich nicht wahrhaben. Andererseits kann niemand - wie bisher immer geschehen - das Deckmäntelchen des Schweigens, Verdrängens und Beschönigens weiter strapazieren, egal wen es aus dem Club dieser Ehrenmänner trifft, die bisher immer vorgaben, Moral und Ethik für sich gepachtet zu haben.
So hat auch Benedikt XVI., als er noch Kardinal war, schlichtweg bei der Bekämpfung solcher Missbrauchsfälle versagt, auch wenn er heutzutage nolens volens als Papst handeln muss. Die "Glaubenskongregation" der katholischen Kirche registriert schon seit 1922 (neunzehnhundertzweiundzwanzig, das ist kein Schreibfehler) Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche und natürlich nicht ohne Grund und Anlass. Zwei Jahrzehnte leitete der heutige Papst dieses Gremium. Von einem angesagten HANDELN war jedoch nichts zu erkennen. Es waren die Bischöfe englischsprachiger Länder, die den Vatikan zum Eingreifen drängen mussten, und es waren Opfer, die noch Ende März in den USA Vatikan und Papst verklagten, nachdem die Missbrauchsopfer an einer Gehörlosenschule in Milwaukee sich, zum Tatzeitpunkt in jugendlichem Alter, vergeblich an kirchliche und staatliche Behörden gewandt hatten.

Immerhin hat der Vatikan im Juli neue Richtlinien für den Umgang mit pädophilen Priestern verabschiedet und diese erstmals auch veröffentlicht. Die Verjährungsfristen von bislang zehn Jahren nach der Volljährigkeit des Opfers wurden auf zwanzig Jahre heraufgesetzt.
Ist das aber ausreichend? Ein Prinzip *Null Toleranz gegen Schurken im Priestergewand* sieht anders aus.
ERSTMALS wurde festgehalten, dass der Besitz oder die Verbreitung kinderpornographischen Materials nach dem KIRCHENRECHT ein "schwerwiegendes Verbrechen gegen die Sitten" darstelle. Auch Übergriffe auf geistig Behinderte sollen nachhaltiger geahndet werden. Aber von wem? Weiter von Institutionen der Kirche!
Es wird im dem Erlass von den örtlich zuständigen Bischöfen NICHT gefordert, Missbrauchsfälle zwingend der Polizei zu melden, wohl aber wird der Versuch, eine Frau zur Priesterin zu weihen als "schweres Verbrechen" mit sexuellem Missbrauch an Abhängigen gleichgestellt.

Wieso gelten für die Mitglieder dieser merkwürdigen Vereinigung andere Regeln als für jeden normalen Staatsbürger?

Erfrischend dagegen ist, wenn sich wenigstens das bulgarische Finanzamt nicht scheut, der dortigen Orthodoxen Kirche eine Geldstrafe von 1,3 Millionen Euro aufzubrummen, nachdem es feststellte, dass die Kirchenverwaltung jahrelang keine Sozialabgaben für Geistliche abführte. "Die Kirche verkommt zu einem reinen Geschäftsbetrieb", kritisierte die Tageszeitung Dnevnik. "Anstatt sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren, beschäftigt sich die Kirche nur noch mit Wirtschaft und Finanzen. … Die Kirche … kümmert sich um ihre Gebäude und Ländereien, die sie tauscht, vermietet und verpachtet. Sie druckt und verkauft ihre eigenen *Wertpapiere* wie Briefmarken, Tauf- und Hochzeitsurkunden, sammelt Gebühren für rituelle Handlungen ein, verwaltet Wohltätigkeitsfonds, nimmt an Ausschreibungen teil …".

Davon wollen die Kirchenoberen nichts hören, sehen, lesen. Bei Bedarf wird dann lieber eine Nachricht verbreitet, wonach auf einem Satellitenbild eines ungarischen Städtchens (über Google Earth) ganz eindeutig das Abbild Jesu entdeckt worden sei. Ein Engländer hatte diese erleuchtende Erkenntnis und die "geistliche Welt" zeigte sich ergriffen.
Um Himmelswillen!

Apropos Großbritannien: Zwei atheistische Autoren wollen den Papst wegen der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche verhaften lassen und zwar dann, wenn der Papst im September auf der Insel zu einem Besuch landet. Richard Dawkins und Christopher Hitchens wollen mit Hilfe des Fachanwalts für Menschenrechte, Geoffre Robertson, Anklage erheben lassen, nachdem der Papst sich durch das institutionalisierte Dulden von "Kinderschändung" strafbar gemacht habe. Das sei als ein "Verbrechen gegen die Menschheit" vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte zu verhandeln. Dawkins (Der Gotteswahn) ist mit Hitchens der zuversichtlichen Ansicht, dass Benedikt mit Hilfe des internationalen Strafrechts juristisch belangt werden könnte. Die britische Regierung ist "not amused", zumal es bei der Einreise nach Großbritannien für manchen Kandidaten schon zu unliebsamen Überraschungen gekommen war: So ist kürzlich Israels Ex-Außenministerin Tzipi Livni wieder vor der Insel abgebogen, nachdem ein Bezirksrichter auf Antrag einer Palästinensergruppe einen Haftbefehl gegen sie erlassen hatte. Der chilenische Ex-Diktator Augusto Pinochet war 1998 bei seiner Einreise nach London ebenfalls festgenommen worden wegen des Vorwurfs "Verbrechen gegen die Menschheit".
Ich sage: Wäre der Papst derjenige, den er vorgibt zu sein, scheute er ein solches Verfahren nicht, selbst wenn er zu Unrecht ans Kreuz genagelt würde. 7/2010
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DER SEITENSCHEITEL DER NATION
Heinz Herbert

Nun ist er der Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Er, der Seitenscheitel der Nation, wie Christian Wulff von dem deutschen Kabarettisten Philipp Mosetter bezeichnet wurde. Man wird mir nicht vorwerfen können, ein Anhänger *schwarzer Regierungen* zu sein, zumal der Bundespräsident, wie jeder andere bisher auch, sein Parteibuch für die Dauer seines Amts *ruhen* lässt. Nach seiner Wahl hat ein Bundespräsident den Anforderungen seines Amts zu folgen und nicht den Vorgaben seiner früheren Partei. Er ist gewählt und damit hat es sich für einen Demokraten.
Aber manche Demokraten haben es mit der Demokratie etwas schwer. Es erscheint mir stark überzogen, wenn er als *das Deutscheste, das die Welt je gesehen hat* bezeichnet und beschränkt wird auf: sauber, nett, gut erzogen, bescheiden, brav, nicht intellektuell, aber etwas gebildet, verklemmt natürlich, bieder und selbstverständlich immer wieder *seitengescheitelt*. Irgendwer warf ihm gar vor, in seiner Person wären *die Ideale der Fünfziger Jahre ohne jegliche Beschädigung über die Zeit gerettet* worden.
Na und wenn schon, sage ich. Auch die Fünfziger hatten ihr Gutes, denn sie sorgten dafür, dass es die Achtundsechziger geben konnte. Jetzt lasst ihn doch mal!
Er wird sich als Bundespräsident bewähren. Endlich einmal ein Typ, mit dem sich Deutschland in der Welt auch zeigen kann. Er wirkt sympathisch, trotz Seitenscheitel. Er hat noch Zähne im Mund, die man - im Gegensatz zu denen manch eines deutschen Politikers oder ehemaligen Präsidentschaftskandidaten - auch ansehen kann, ohne, dass einem speiübel wird. (Achten Sie einmal auf die Zähne deutscher Politiker. Erschreckend, was die Gesundheitsreform so alles allem Anschein nach anrichtet). Er kräht nicht ins Mikrofon, sondern seine Stimme ist wohltönend und es ist nicht zu besorgen, dass er Blech redet oder in ein politisches Fettnäpfchen tritt. Er wirkt auch körperlich noch altersentsprechend fit und er hat - last but not least - auch eine sympathische, fotogene Frau an seiner Seite. Das schadet ja auch nicht.
Er macht das schon, unser Christian. Die Fußballnationalmannschaft hat ihn längst ins Herz geschlossen und Lena Mayer-Landrut auch. Hat das denn gar keine Bedeutung mehr in diesen Zeiten? 7/2010
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DIE EINE-MILLIARDE-EURO-KAMPAGNE DER LEBENSMITTELKONZERNE
Foodwatch

Das Gespenst der Ampel hat endgültig seinen Schrecken verloren", "der Vuvuzela-Terror der Ampelbefürworter" sei endlich gescheitert. So feiert das Branchenblatt der Lebensmittelindustrie, die "Lebensmittelzeitung", die Niederlage der Ampelbefürworter im Europäischen Parlament am 16. Juni.

Ohne Zweifel, der Sieg der Konzerne ist ein Rückschlag für die Verbraucherrechte. Die Ampel hätte die Konsumenten auf einen Blick erkennen lassen, ob ein Produkt viel, mittel oder wenig Salz, Zucker oder Fett enthält. Über zwei Drittel der Verbraucher hatten deshalb folgerichtig die leicht verständliche Ampelkennzeichnung gefordert. Auch Krankenkassen, Herz- und Kreislaufspezialisten, Kinderärzte und Diabetesverbände in ganz Europa hatten sich öffentlich für die Ampel ausgesprochen. Kein Wunder. Allein in Deutschland belasten die Kosten ernährungsbedingter Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck das Gesundheitssystem mit 70 Milliarden Euro!

Was also konnte den Siegeszug der Ampel noch aufhalten? Wer konnte ein Interesse daran haben, diesen durch und durch sinnvollen Vorschlag zur Lebensmittelkennzeichnung zu verhindern? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Lebensmittelkonzerne und ihre politischen Steigbügelhalter, darunter auch das deutsche "Verbraucher"ministerium. Denn die Ampel hätte vermeintlich gesunde Fitness-Flakes als Zuckerbomben und angeblich wertvolle Kinderdrinks als heimliche Dickmacher entlarvt!
Das konnten die Nahrungsmittelmultis auf keinen Fall zulassen. Es ging für sie ans Eingemachte, es ging um ihr Geschäftsmodell! Beinah ist man geneigt zu sagen: Koste es, was es wolle." Denn dass die Konzerne sich die Verhinderung der Lebensmittelampel was kosten ließen, ist ein offenes Geheimnis. Mindestens eine Milliarde Euro sind nach eigenen Angaben der Konzerne in ihre Lobbyarbeit geflossen! Diese Summe muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Eine Milliarde Euro, um eine sinnvolle, von den Verbrauchern gewünschte, Lebensmittelkennzeichnung zu Fall zu bringen! Eine Milliarde Euro, um Beamte und Abgeordnete in Brüssel mit so absurden Argumenten, wie z.B. dass die Ampel zu Fehlernährung führe, gegen die Ampel zu mobilisieren!

Was hat das noch mit Demokratie zu tun, wenn die Gesetze von denen gemacht werden, die das meiste Geld ausgeben, um Abgeordnete zu beeinflussen?!

Dennoch: Auch wenn die Abstimmung im Europäischen Parlament verloren ist, haben wir einiges erreicht. Vor allem das gestiegene Bewusstsein, dass eine Nährwertkennzeichnung mehr sein muss als ein paar unverständliche Prozentzahlen. Dass sie einfach und schnell Verbraucher aller Bildungs- und Gesellschaftsschichten über den Nährwert informieren muss - letztlich um gewaltige Kosten auch für die Allgemeinheit zu vermeiden. Bei der Abstimmung haben sich dann auch immerhin 40 Prozent der Abgeordneten für die Ampel ausgesprochen. Verglichen mit dem Beginn der Diskussion, als die Ampel nicht einmal Gegenstand des Gesetzentwurfes der Europäischen Kommission war, ist das ein beachtlicher Erfolg! Und foodwatch war daran maßgeblich beteiligt! Das Parlament hat entschieden, die Probleme bleiben. Wir von foodwatch geben nicht auf! Es gibt nur einen Weg gegen die Verbraucherverdummung: Wir müssen - vermehrt auch in Europa - eine wirkungsvolle Gegenmacht aufbauen! Wir, das heißt foodwatch zusammen mit Ihnen, den Verbrauchern. 7/2010
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Foto EIN KOCHREZEPT DER BUCHMEIER-MARIE
Von der Herrschaftsköchin, der Buchmeier-Marie, nach der "fünfzehnten vollständig umgearbeiteten und vermehrten Auflage" (ca 1910). Die Köchin war damals hoch in den Achtzigern. Die Rezepte (allesamt 19.Jhdt.) sind ausgezeichnet geeignet für den heutigen, modernen Haushalt :-))) - in jedem Falle aber einmal was ganz Anderes, für den der so etwas mag und:
"In 50jähriger Erfahrung erprobt … und für die *bürgerliche und feine Küche* niedergeschrieben. Die sämtlichen Kochrezepte sind für vier bis sechs Personen berechnet und hierbei die Maße in neuem Gewichte angegeben."

Heute: Weißkraut auf andere Art
Zutaten: 1 ½ Kilo Weißkraut, Speck, Zwiebeln, zwei oder drei Eßlöffel Essig, Salz, Zucker, ½ Liter Fleischsuppe, zwei Eßlöffel Mehl, Hammel- oder Schweinerippen.

Das von den Rippen befreite, fein geschnittene und gewaschene Weißkraut wird mit fein geschnittenem Speck und gelb gerösteten Zwiebeln, zwei oder drei Eßlöffeln Essig, etwas Salz und einem Stückchen Zucker weich gedünstet, wobei von zeit zu Zeit etwas Fleischsuppe nachgegossen wird, dann kurz vor dem Anrichten leicht mit Mehl gestaubt, noch Fleischsuppe nachgegossen, abermals einige Minuten gedünstet, erhaben angerichtet, mit gedämpften Hammel- oder Scheinerippen bekränzt und heiß zu Tisch gegeben. Die Brühe von dem gedämpften Fleisch wird rein entfettet und über das Gemüse gegossen.
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Bild GEFUNDEN IM NETZ von Joe Cool

+++ Justiz steht über belgischem Erzbischof +++
De Morgen - Belgien. Papst Benedikt XVI. hat die Durchsuchung der Räume des katholischen Erzbistums Mecheln als Kirchenschändung verurteilt. Die belgische Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag auch Kirche und Krypta nach Beweismaterial durchsucht, dass die Kirche im Skandal um sexuellen Missbrauch hätte unterdrückt haben können. Der Eingriff der Justiz aber ist gerechtfertigt, meint die Tageszeitung De Morgen: "Wenn Priester oder Bischöfe von gerichtlichen Ermittlungen betroffen sind, dann wählt die Kirche ein internes Disziplinarverfahren, zum Beispiel mit der Adriaenssens-Kommission (zu sexuellem Missbrauch). Doch nun befasste sich die Bischofskonferenz mit der Frage, ob diese Kommission tatsächlich auch Einsicht in 'verjährte Akten' haben soll. Dieser Punkt verrät bereits die doppelte Tagesordnung der Kirche. ... Sicher: Das Gericht ist nicht unfehlbar. ... Aber: Das Gericht ist das Gericht. Die letzte und schließlich auch einzige Instanz, um zu bestrafen, freizusprechen, also um zu urteilen. In einer Demokratie ist das jüngste Gericht keine Wandmalerei in der Sixtinischen Kapelle, sondern ein absolutes Vorrecht der richterlichen Macht."

+++ US-Gesetz gegen Hacker widerspricht Freiheitsrecht +++
La Stampa - Italien. Der US-Senat diskutiert einen Gesetzentwurf, wonach Präsident Barack Obama im Fall von Hacker-Angriffen weitreichende Kontrolle über die Telekommunikations-Infrastruktur der USA erhält. Der Gesetzesentwurf rückt das Land paradoxerweise in die Nähe von China, meint die liberale Tageszeitung La Stampa: "Es ist ein eindeutiges Zeichen für die Vertiefung der Kluft zwischen den USA und Europa hinsichtlich des optimalen Gleichgewichts zwischen dem Schutz der individuellen Freiheit und der Bürgerrechte einerseits und der kollektiven Sicherheit andererseits. Paradoxerweise rückt er die USA näher an China, dessen Internetzensur die US-Außenministerin Hillary Clinton noch vor wenigen Monaten lautstark anprangerte. Es ist tatsächlich ein Paradox, dass in einem von wachsender Ent- und Verwestlichung geprägtem Zeitalter ein weiterer Schritt in diese gefährliche Richtung ausgerechnet von den Vereinigten Staaten unternommen wird, den Schöpfern und größten Nutznießer des politischen Selbstverständnisses des Westens."

+++ Papst nicht immun gegen Missbrauchsvorwürfe +++
La Repubblica - Italien. Der Oberste Gerichtshof in Washington hat am Montag dem Vatikan die diplomatische Immunität abgesprochen. Damit kann der Vatikan im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester in den USA zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Der Papst gab darauf eine indirekte Antwort mit seiner Ankündigung, einen Päpstlichen Rat zu gründen für eine geistige Reform der Kirche, meint die linksliberale Tageszeitung La Repubblica:

+++ Burka ist Symbol der Unterdrückung +++
El Periódico de Catalunya - Spanien. Das Parlament in Spanien diskutiert derzeit darüber, den muslimischen Ganzkörperschleier in der Öffentlichkeit zu verbieten. Die linksliberale Tageszeitung El Periódico de Catalunya findet Argumente für ein solches Verbot: "Es ist ein falsch verstandener Feminismus zu sagen, dass eine Frau selbst frei wählen kann, ob sie die Burka trägt. Sie sind dazu nach Jahren der Unterordnung konditioniert. Burka oder Ganzkörperschleier sind eine gesellschaftliche Tradition einiger Länder, die mit der Religion nichts zu tun hat. Die Burka ist eine von den Taliban durchgesetzte Kleiderordnung. Sie schrieben den Frauen das Tragen der Burka auf dieselbe Weise vor, wie sie ihnen das Studium und jegliche gesellschaftliche Unabhängigkeit untersagten. ... Und man sollte daran erinnern, dass es während der Pilgerfahrt nach Mekka - dem heiligen Ort der Muslime - verboten ist, sich das Gesicht zu verhüllen und damit auch die Burka oder den Hidschab zu tragen."

+++ Italien protestiert gegen Maulkorbgesetz +++
La Repubblica - Italien. Viele italienische Medien protestieren am heutigen Freitag mit einem Informations-Streik gegen das neue Abhörgesetz, das unter anderem drastische Strafen für Journalisten vorsieht, die Ermittlungsakten oder mitgeschnittene Gespräche veröffentlichen. Dass die Medien aus Protest gegen den befürchteten Maulkorb schweigen, ist zwar paradox, aber angesichts der "Fernsehdiktatur" von Premier Silvio Berlusconi die einzige Möglichkeit sich Gehör zu verschaffen, schreibt die linksliberale Tageszeitung La Repubblica am Donnerstag: "Der Streik ist der einzige Weg in einem unglücklichen Land, das Opfer eines unrechtmäßigen Fernsehmonopols ist [Premier Berlusconi besitzt den größten Privatsender Mediaset und hat Einfluss auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen RAI], um dem Fernsehzuschauer bewusst zu machen, was im Schaltkreis von Macht, Justiz, Information und öffentlicher Meinung abläuft. Nämlich mit dem Gesetz den Kreis zu unterbrechen. Die Ermittlungsrichter sollen an der Beweisführung gehindert werden, die Journalisten schweigen und die Bürger tappen im Dunklen. Davon sprechen die devoten Fernsehnachrichten nicht. Einen Tag lang wird der Fernseh-Blackout für sie sprechen, und die Fernsehzuschauer werden endlich erfahren, dass es ein Problem gibt, das sie betrifft."

+++ Polen fordern Aufklärung des Flugzeugunglücks +++
Gazeta Wyborcza - Polen. Die polnische Hinterbliebenenvereinigung Bewegung 10. April hat am Sonntag dafür demonstriert, dass eine internationale Kommission die Umstände des Flugzeugunglücks aufklärt, bei dem Staatspräsident Lech Kaczy?ski ums Leben gekommen ist. Die linksliberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza mahnt vor übertriebenen Erwartungen: "Man kann natürlich immer wiederholen, … dass man heute nach systematischen Ursachen der Flugkatastrophe sucht - das heißt also nach einer ganzen Verkettung von unglücklichen Umständen, Fehlern und Ereignissen, die zu ihr geführt haben. Und natürlich ist in dieser Verkettung auch Platz für eine eventuelle Mitverantwortlichkeit der Regierungsmitglieder der [Bürgerplattform] PO für das 36. Regiment [verantwortlich für die Flugsicherheit des polnischen Militärs] sowie für Lech Kaczy?ski und seine Mitarbeiter. Und auch eine Mitverantwortlichkeit des [Geheimdienstes] BBN für das Flugzeug und dessen Vorbereitung. Wir haben das Recht, einige Fragen zu stellen. Doch wird es schließlich nach Monaten, wenn nicht gar nach Jahren, ... nicht nur einen einzigen Schuldigen geben."

+++ Pragmatische Schweizer helfen Kriminellen +++
The Independent - Großbritannien. Die Weigerung der Schweiz, Roman Polanski auszuliefern, erzürnt der Schweizer Autor Johann Hari in der liberalen Tageszeitung The Independent: "Roman Polanski hat sein Verbrechen zugegeben bevor er davonrannte, noch Jahre darauf brüstete er sich aus dem Exil, dass jeder Mann davon träume das zu tun, was er getan hatte. ... Aber für die Schweizer Regierung scheint das nicht genug, um ihn in die USA zurückzuschicken, damit er vor Gericht gestellt werden kann. Sie hat ein Schlupfloch im Gesetz gefunden, dass es ihr ermöglicht, ihn laufen zu lassen - während sie zugibt, dass nationale Interessen ein Faktor dafür sein können. Das könnte ein Hinweis auf Druck vom benachbarten Frankreich sein, das seinen Staatsbürger auf freiem Fuß sehen will. Als Schweizer Bürgerin kann ich ohne beleidigend zu sein sagen, dass wir alle um die Geschäfte wissen, auf die sich die Schweiz in der Vergangenheit eingelassen hat, um ihre nationalen Interessen zu wahren. Das steht alles in der langen Tradition, Kriminellen zu helfen und es Schweizer Pragmatismus zu nennen."

+++ Niederlande verdrängen Srebrenica +++
De Volkskrant - Niederlande. Mit Blick auf den 15. Jahrestag des Völkermords in Srebrenica am Sonntag reflektiert der Kulturhistoriker Thomas van der Dunk in seinem Blog bei der Tageszeitung De Volkskrant über den Umgang der Niederlande mit Kriegseinsätzen: "Wir wagen es nicht, offen anzuerkennen, dass Krieg eine äußerst schmutzige Angelegenheit ist, bei dem auch 'unsere Jungs' große Risiken eingehen. ... Was immer wieder zuallererst zählt, sind unsere guten Absichten, nicht das Resultat. ... Unser Selbstbild von den Menschen, die es gut meinen, projizieren wir auch gerne auf andere, um die Aussichtslosigkeit von bestimmten Unternehmungen auszublenden. Schließlich können wir doch diese Menschen nicht im Stich lassen? Das ist ... auch jetzt wieder das Argument für die Verlängerung des Einsatzes in Afghanistan. Die schmerzhafte Tatsache aber ist, dass man nicht immer helfen kann oder dass damit ein Preis - eine viel größere Truppe und viel mehr tote Soldaten - verbunden ist, den wir nicht bezahlen wollen."

+++ Václav Klaus' seltsames Deutschland-Bild +++
Respekt - Tschechien. Tschechiens Präsident Václav Klaus hat sich in einem Essay verbittert über die Deutschen geäußert, die "auf friedlichem Weg eine klare Hegemonie in Europa erlangt haben, für die sie erfolglos zwei Weltkriege geführt haben".
Die liberale Wochenzeitung Respekt hält diese Aussage für eine Frechheit: "Wie würde der Präsident wohl reagieren, wenn sich jemand ähnlich ungeheuerlich über die Tschechen äußern würde? Etwa derart, dass die Deutschen besser nicht nach Tschechien reisen sollten, weil ihnen dort drohe, dass man ihnen die Köpfe schert, ihnen ein Hakenkreuz auf den Rücken malt, sie ihres Eigentums beraubt und sie womöglich erschießt [wie bei den Vertreibungen nach Kriegsende geschehen]. Solche Argumente sind in einer zivilisierten Debatte unannehmbar. ... Natürlich haben die Deutschen großen Einfluss. Der ist aber das Ergebnis des Fleißes und der Fähigkeiten der Deutschen, nicht irgendeiner friedlichen Version der Pläne Hitlers. Es ist Deutschland, das am meisten für den EU-Haushalt zahlt - und damit auch für Tschechien."

+++ Kriminalität beschädigt italienische Kulturnation +++
Der Standard - Österreich. Mit Wirtschaftsstaatssekretär Nicola Cosentino ist am Mittwoch als Folge eines Korruptionsskandals erneut ein Mitglied der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi zurückgetreten. Die Tageszeitung Der Standard bedauert die Entwicklung des Landes: "Es wird zunehmend schwieriger, die politische Situation in Italien zu beschreiben. Nach den gut anderthalb Jahrzehnten, in denen Silvio Berlusconi die Geschicke dieses Landes wie kaum ein anderer geprägt hat, sind alle journalistischen Steigerungsstufen ausgereizt. Die Empörung über Zustände, die außerhalb Italiens kaum noch jemand nachvollziehen kann, ist dem Erstaunen gewichen. Dem Erstaunen darüber, wie sehr Reformunfähigkeit, politischer Unernst, hartnäckige Realitätsverweigerung und mitunter schiere kriminelle Energie diese große, alte Kulturnation inzwischen verwüstet haben. ... Es wird protestiert, ja. Die italienische Zivilgesellschaft steht auf, ja. Aber nur, um sich danach wieder umgehend niederzusetzen. Das ist das Bedrohlichste und Bedrückendste an der Politiklosigkeit: Es gibt keine Konsequenzen - für niemanden und zu keiner Zeit."

+++ Chaos überwältigt Afghanistan +++
The Guardian - Großbritannien. Der Internetdienst Wikileaks hat geheime Dokumente über den Afghanistan-Krieg enthüllt, welche die Tageszeitung The Guardian in Zusammenarbeit mit der New York Times und dem Spiegel veröffentlicht und beurteilt: "Das kollektive Bild, das sich herausschält, ist sehr verstörend. Wir erfahren heute von nahezu 150 Zwischenfällen, in denen Koalitionstruppen, britische eingeschlossen, Zivilisten getötet oder verletzt haben. Doch von den meisten Zwischenfällen wurde nicht berichtet. Wir erfahren von hunderten Grenzkonflikten zwischen afghanischen und pakistanischen Truppen, die eigentlich Allierte sein sollen; von der Existenz einer Kommandoeinheit, deren Aufgabe beinhaltet, Taliban und al-Qaida-Führer zu töten; von der Abschlachtung von Zivilisten durch die improvisierten Sprengsätze der Taliban und von einem Katalog von Zwischenfällen, wo Koalitionstruppen sich gegenseitig und afghanische Kameraden beschossen und getötet haben. ... Wie auch immer man das interpretieren will: Es ist ein Afghanistan, das weder die USA noch Großbritannien einer souveränen nationalen Regierung in Kabul als Geschenk mit rosa Schleife überreichen können. Ganz im Gegenteil. Nach neun Jahren Krieg droht das Chaos alle zu überwältigen." 7/2010
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Heinz Herbert, Autor und RezensentHARRY McMARTINS BUCHREZENSIONEN:

THE PORSCHE BOOK *****
Bild Frank M. Orel und Elmar Brümmer

Gebundene Ausgabe: 296 Seiten Verlag: Teneues Verlag (15. Mai 2010) Sprache: Englisch, Französisch, Russisch, Chinesisch, Deutsch ISBN-10: 3832793771 ISBN-13: 978-3832793777 Größe und/oder Gewicht: 37,4 x 29,8 x 3,8 cm € 98,00

Knapp 4 kg Porsche pur!
Der Herausgeber Henrik teNeues ist sicherlich ein beschäftigter Mann, und doch ließ er es sich nicht nehmen, das neue "Porsche Book" von Frank M. Orel der interessierten Öffentlichkeit selbst vorzustellen. So etwas kommt nicht all zu oft vor. Wer jedoch Bildbände dieser Art verlegt, weiß Exklusivität und Luxus zu schätzen. Zitat: *Luxus ist etwas, das nicht alltäglich ist. Er hat verschiedene Facetten*. Ob das langt? TeNeues wird auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Porsche-Fan sein.

Kein Wunder, dass die Presse dieses in jeder Hinsicht außergewöhnliche Teil als *Turbo unter den Sportwagen-Büchern* bezeichnet und dabei nicht zu viel verspricht. Nicht nur die außergewöhnlichen, großformatigen 140 Fotografien begeistern auch den letzten Kritiker sportlicher Fahrzeugentwicklung, sondern auch mancher Fan wird Details im Bild (und im Text, aus der Feder von Elmar Brümmer) finden, die ihm bisher nicht bewusst waren. Vielleicht eine PS-Bibel oder ein persönliches Road Movie, mit Sicherheit aber ein Beweis für die künstlerische und informative Kraft der Fotografie im Allgemeinen und der außergewöhnlichen Begabung des Fotografen Frank M. Orel im Besonderen, trockene Materie so umzusetzen, dass der Betrachter Metall, Leder und Benzin nicht nur riecht, sondern das auch herrlich findet. Orels Motto *Aufnahmefähig bleiben und sich Freiheiten nehmen* muss eigentlich nicht ausdrücklich zitiert werden. Jeder wird beim genüsslichen Anschauen der Fotos in der Lage sein, diese Arbeitsthese des Künstlers selbst zu erkennen und nachzuvollziehen.
Mir fällt zu diesem fotografischen Werk der Spezialistenklasse nur das Adjektiv grenzenlos ein, um das Wesen der oben zitierten *Freiheiten* erfassen zu können. Der Drang, vermeintliche Grenzen und Fesseln eines Themas zu sprengen, ist jeder Aufnahme anzusehen, in einer Weise, die ich in Bezug auf die Automobilszenerie vor Kurzem noch für unmöglich gehalten hätte.

Die Texte in englischer, französischer, russischer, chinesischer Sprache und natürlich auf deutsch. Sehr empfehlenswert als Sammlerband und als Geschenk für jeden Porschefan sowieso. HMcM


Bild WENN ES DUNKEL WIRD - Zum Verständnis des Selbstmordes *****
Kay Redfield Jamison

Taschenbuch: 416 Seiten Verlag: Berliner Taschenbuchverlag (2002) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3442760887 ISBN-13: 978-3442760886 Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,9 x 2,4 cm

EIN WICHTIGES BUCH
Ein unbeliebtes Thema. Niemand greift es gerne auf, es wird bemäntelt, umschrieben, umdeutet. Kein Zweifel, um über Selbstmord zu reden bedarf es starker Nerven, insbesondere bei den Hinterbliebenen.
Das vorliegende Werk hilft Betroffenen im Erkennen und Verstehen der meist unbegreiflichen Tat, ebenso wie denen, die sich dieser Thematik auf wissenschaftlicher Ebene nähern.
Die Autorin, die selbst nur knapp einen Selbstmordversuch überlebte, berichtet mit dem Wissen eines Opfers auf der soliden Wissensbasis einer Professorin der Psychiatrie über die sicherlich in den meisten Fällen krankhafte Konditionierung der Suizidopfer, die dem späteren Auslöser der Tat von Enttäuschung und Misserfolgen über körperliche Gebrechen bis hin zu politischem oder finanziellen Ruin, nachgeben.
Ein Buch, das trotz seines sachlich-wissenschaftlichen Aufbaus durchaus in der Lage ist, auch Trost und Verstehen zu ermöglichen. HMcM
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