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Aktuelles in und aus NORDZYPERN
Ausgabe August 2010
Segelyacht DARIA steht zum Verkauf
Die Yacht DARIA mit deutscher Flagge ist seit Jahren im neuen Hafen von Kyrenia/Girne stationiert. Sie ist und wird turnusmäßig gewartet, unter Erneuerung von Teilen bei Bedarf. Die DARIA ist ein zuverlässiges und seetüchtiges Segelschiff. Sie wurde in der Karibik, im Schwarzen Meer, im Roten Meer und auch regelmäßig in europäischen Gewässern gesegelt, zuletzt noch in diesem Jahr. Mehr hier
DEUTSCHE BOTSCHAFT ZYPERN LÄDT EINDeutsche Botschaft
Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Zypern,
Dr. Gottfried Zeitz,
lädt ein zu einem Empfang
am Dienstag, den 5. Oktober 2010 von 20.00 - 23.00 Uhr
im Restaurant "Chateau Status" Nikosia (gegenüber Ledra Palace/Goethe Zentrum, 12, Marcou Drakou Str.Nikosia Tel: 22-77771167 ). Alle deutschen Mitbürger in Zypern und ihre Familienangehörigen sind herzlich willkommen!
Dresscode: casual
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Zypern 7/2010
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NORDZYPERN IM JULIHarry McMartin
FLUGHAFEN GECITKALE IST VERPACHTET
Der türkisch-zyprische Geschäftsmann Asil Nadir hat in seinem Leben schon einige Schlagzeilen provoziert. Und jetzt erneut: Wie zum Monatsanfang die nordzyprische Presse verlautbarte, hat dieser gewiefte und mit allen Wassern gewaschene Geschäftsmann den derzeit ungenutzten nordzyprischen Flughafen Gecitkale für die kommenden 15 Jahre gepachtet.
Der Flughafen war bis 2004 militärisch genutzt und wurde dann während des Umbaus des Flughafengeländes Ercan als Ausweichflughafen, nach umfassender Renovierung und Erweiterung, verwendet.
Der Unternehmer will das Gelände für Gütertransport und Flugzeugwartung nutzen.
Die an den Staat zu entrichtende Pacht soll sich im ersten Jahr auf rund 1,6 Millionen Euro belaufen. Die Pacht soll sich ab dem zweiten Jahr um 3% erhöhen.
Das Dorf Gecitkale hat rund 1.300 Einwohner und ist nur 25 km von Gazimagusa entfernt. Die Region wird neue Arbeitsplätze begrüßen.
Das Luftfrachtaufkommen wurde bisher ohne Schwierigkeiten über den derzeit nicht ausgelasteten Flughafen Ercan abgewickelt. Dessen Kapazitäten sollten erst dann erschöpft sein, wenn ein direkter internationaler Anflug nach Nordzypern ermöglicht wird.
Es darf angenommen werden, dass sich "Trüffelnase" Asil Nadir etwas bei diesem Deal gedacht hat. Diese Spekulation sei erlaubt. 7/2010
JENNIFER LOPEZ VERHINDERT GELDVERSCHWENDUNG IN NORDZYPERN?Oder: Nicht alles, was zwei Wangen hat, ist ein Gesicht
Der 20. Juli 2010 sollte für Nordzypern etwas Besonderes sein. Am 36. Jahrestag der türkischen Schutzaktion für Nordzypern (die üblichen, einäugig blinden Freunde Griechisch-Zyperns sprechen von einer Invasion durch die Türkei) will das luxuriöse Cratos-Premium-Hotel eröffnen. Zur Premierenfeier sollte der angeblich "schönste Hintern der Welt" präsentiert werden. Jennifer Lopez wollte mit Ehemann Marc Anthony und den Zwillingen, samt eines achtzigköpfigen Begleitteams, in Nordzypern aufschlagen, Zug um Zug gegen Vereinnahmung einer Gage von schlappen drei Millionen US-Dollar.
Wie das so üblich ist, entsetzte sich sogleich alles was sich als nordzypernfeindlich bisher schon immer outete. Es ging los mit dem offenen Brief des "Cyprus Action Network of America", wo es hieß: "Mit Bestürzung und Entsetzen haben die Zyprioten und besonders die griechischen Frauen Zyperns in der Republik Zypern und überall auf der Welt die Nachricht vernommen, dass sie (JLo) die Einweihung eines Hotels im von der Türkei besetzten Teil unseres Heimatlandes besuchen will. Die Türken unternehmen viel, um sich die Unterstützung von Leuten ihrer Art zu sichern, nur um ihre politischen Ziele zu verfolgen. Geben Künstlern ihre wohltätige Arbeit und ihr Status das Recht, türkische Vergewaltiger, Besatzer und Diebe unseres gestohlenen Eigentums zu Glaubwürdigkeit zu verhelfen?"
Warum sich "besonders die griechischen Frauen Zyperns und überall auf der Welt" besonders erregt haben sollen, bleibt wie so vieles insoweit im Bereich der Spekulation hinsichtlich der noch immer von Hasstiraden geprägte Einstellung der EU-griechisch-zyprischen Bevölkerung zum Norden der Insel.
Solche und ähnlich alberne Artikel blieben dann auch nicht ohne Wirkung, was mich nicht überraschte. Schon am 9.7. wurde von den Agenturen vermeldet:
JLo sagt umstrittenes Konzert ab.
Das war letztlich die direkte Folge tausender E-Mails an Lopez und ihr Management. HURRA schrie Zyperns Süden - "insbesondere die südzyprischen Frauen"?!
ABER WAR ES DAS WIRKLICH? Hat sich JLo nicht einfach nur besonnen und sich überlegt, dass ihr Hintern samt Gewackel doch unmöglich DREI MILLIONEN US-Dollar wert sein können, zusätzlich Verköstigung von achtzig Mitläufern, für einen Auftritt in einem Hotel, dessen Gesellschafter sich erst in den kommenden Jahren wundern werden, warum da keine wirkliche Rendite erwirtschaftet werden kann.
Egal, ich bin JLo dankbar, dass sie ihre beachtlichen Pobacken zusammenkniff, auf die leicht verdienbare Kohle verzichtete und sich dem Diktat griechischer Schreihälse beugte.
Das Hotel wird spätestens in zwei Jahren dankbar sein für diesen "Sparzwang".
Ich frage mich allerdings auch: Erkennen die Türken nicht, dass ihre Kaufkraft weltweit wesentlich stärker ist, als die der verarmenden Griechen? Macht doch auch einmal diesen Druck auf Künstler, die in EU-Zypern auftreten wollen. Dann würden denen vielleicht endlich einmal die Augen aufgehen und möglicherweise würden die dann ihr unfassliches Verhalten überdenken, wenngleich: Ein Erkennen insoweit traue ich denen einfach nicht zu. Dafür sorgt schon die griechisch-orthodoxe Kirche des Südens, sollten die Politiker beginnen, in normalen Kategorien zu denken.
Oder ist alles doch viel raffinierter angelegt? Das Hotel kostete mehr als offiziell geplant, wie das heutzutage ja weltweit üblich zu sein scheint. Man kommt in der Not auf den raffinierten Kniff: Ein finanziell superpotenter Weltstar wird engagiert, der vermutlich noch nicht einmal weiß, wo Zypern überhaupt liegt, geschweige denn, was Zypern-Nord bedeuten könnte. Weltstar unterschreibt den üppigen Vertrag. Die gewitzten Unternehmer wissen, dass der Süden sofort die übliche Welle der Empörung über die freie Entscheidung eines Künstlers schieben wird. Derselbe, ob der Aufregung blass um die Nase, macht einen Rückzieher und dann … ja und dann …? Na was schon: SCHADENSERSATZ.
Wie hier geschehen. Schlappe 40 Millionen US-Dollar Schadenersatz wurde dem Vernehmen nach von der verdatterten JLo für die vertragsbrecherische Annullierung des Konzertauftritts verlangt.
"Der Vertrag wurde nicht gekündigt", sagte Herr Bozoglu, Geschäftsführer der türkischen Hotelgruppe Bozgrup. "Wenn sie (JLo) nicht erscheint, werden wir vor Gericht 35 - 40 Millionen Dollar Schadenersatz verlangen."
Holla. Nicht übel, selbst wenn es einen Vergleich in realistischeren Sphären letztendlich gäbe. Reine Spekulation - aber ich fände es köstlich, wenn die aufgeregten griechischen Zyprer indirekt zur Finanzierung nordzyprischer Hotelbauten beitragen würden.
Das witzige Verwirrspiel ging dann aber noch weiter. NorthCyprusTimes vermeldete unter dem 13.7.:
"Die amerikanische Sängerin Jennifer Lopez hat sich bei dem türkischen Organisator auf Zypern für das Statement zur Konzertabsage auf ihrer offiziellen Webseite entschuldigt. … Die Aussage auf ihrer Webseite, wonach Lopez keine Länder unterstütze, in denen es Menschenrechtsverletzungen gäbe, habe man ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung veröffentlicht. Nachdem sie zwei Tage später darauf aufmerksam gemacht wurde, habe sie es sofort entfernen lassen. In einem Schreiben … betonte die 40-jährige …: "Ich bin sehr traurig über die aktuelle Lage. Die betreffende Begründung wurde ohne meine Kenntnis und Einverständnis abgegeben. Es ist mein persönliches Prinzip, bei politischen Themen keine Kommentare abzugeben. Ich liebe all meine Fans auf der ganzen Welt. …"
Oh jeminee, welch ein Murks. Die bereits gezahlte Gage soll zwischenzeitlich zurückerstattet worden sein. Immerhin etwas. 7/2010
DAS 20.JULI-HUAHUA UND DER KOSOVO
Eben habe ich noch gedacht, endlich ist der alljährliche Besuch kondensstreifenziehender türkischer Militärmaschinen über Nordzypern, zum Gedenken des Interventionstages 1974, vorbei. Auch die hiesigen Politiker, samt einiger fanatischer Anhänger, die sich am Landungsstrand auf Zypern (Yavuz) einfanden und anschließend am Dr.Fazil-Kücük-Boulevard ein Befreiungsfest mit einer offiziellen Zeremonie begingen, haben sich wieder beruhigt.
Da lese ich, der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat auf Antrag der UN und die wiederum auf Betreiben Serbiens, die Rechtmäßigkeit der Ausrufung der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo für vereinbar mit dem Völkerrecht erklärt.
Das kam für die Serben überraschend, und sie haben auch sogleich erklärt, dass sie die selbst veranlasste Entscheidung, die jetzt in Form eines nicht bindenden Rechtsgutachtens vorliegt, nicht anerkennen werden, weil ihnen eben diese Entscheidung nicht passe. Eine interessante Auffassung von Recht: Nur genehme Entscheidungen werden akzeptiert.
Auch wenn die Entscheidungen des IGH nicht durchgesetzt werden können, sind nur etwa eine Handvoll der insgesamt über rund 90 Entscheidungen des Gerichts nicht befolgt worden. Es gilt also schon, die Entscheidung der UN-Vollversammlung insoweit abzuwarten.
Nun gut, vielleicht ist somit das alljährliche 20.-Juli-Getöse im Norden Zyperns nicht gar so unsinnig? Es wird immerhin nachhaltig daran erinnert, dass die Intervention der international seinerzeit für Zypern zur Schutzmacht ernannten Türkei an diesem 20.7.1974 letztendlich zur Gründung eines verselbstständigten Staates, der KKTC, führte.
Vielleicht sollte eben dieser Staat versuchen - über welche Umwege auch immer - einen entsprechenden Antrag bei den UN zu stellen, mit Zielsetzung der Klärung vor dem IGH. Den Mut zu einem rechtlich sauberen Urteil sollte man vielleicht aufbringen. Immerhin: Abgesegnete Unabhängigkeit ist ansteckend. UN und EU könnten gezwungen sein, den Hasenbergl-Konflikt-Zypern, wie Uli Piller einmal zutreffend schrieb, endlich zu lösen und nicht Jahr für Jahr zu schieben.
Im Zusammenhang mit der Entscheidung des IGH zum Kosovoproblem hat die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am 22. Juli geäußert: "Die Zukunft Serbiens liegt in der Europäischen Union. Die Zukunft Kosovos liegt ebenfalls in der Europäischen Union". Um Himmelswillen, kann ich dazu nur sagen. Die werden diese Krawallstaaten doch nicht ernsthaft in die EU holen wollen? Staaten, die eindeutig Grenzprobleme mit sich tragen und sich seit Menschengedenken nur streiten, bis zur Führung von Kriegen mit schlimmsten Gräueln. Die EU wird doch den Zypernfehler nicht nocheinmal begehen, mit dem sie bis heute nicht umgehen kann? Und die Zyprer sind lammfromm, im Gegensatz zu Serben und Kosovaren. 7/2010
UND WIE SIEHT'S AUS MIT DER WIEDERVEREINIGUNG? Wieder einmal hat der türkisch-zyprische Staatspräsident Dervis Eroglu Anfangs Juli ein gewichtiges Wort vor Journalisten gesprochen: "Die Zeit ist gekommen für eine endgültige Lösung auf Zypern", denn man habe in New York *beschlossen*, den Verhandlungsprozess bis zum Jahresende mit einem *Abkommen* abzuschließen und beide Seiten müssten Verantwortung übernehmen. Welches Abkommen? Vielleicht, dass auf beiden Seiten der Insel weiter Linksverkehr herrscht?
Ich frage mich, wer nimmt diese fast monatlich wiederkehrenden Verbalblähungen noch ernst?
Zwar hat am *letzten Tag seiner EU-Ratspräsidentschaft* Spanien doch noch ein weiteres Verhandlungskapitel mit der Türkei eröffnet, was aber wohl eher als symbolischer Akt, statt als Ausdruck tatsächlicher Verhandlungsdynamik gewertet werden muss.
Thema: Lebensmittelsicherheit.
Hier muss die Türkei ihre nationalen Gesetze mit denen der EU in Einklang bringen. Dreizehn der insgesamt fünfunddreißig Verhandlungskapitel sind eröffnet und die Türkei macht deutlich, das Angebot einer (von vielen in der EU angestrebten) privilegierten Partnerschaft käme einer Beleidigung gleich. Im übrigen verfügt die EU bisher überhaupt nicht über Regelungen im Rahmen einer *privilegierten Mitgliedschaft*, auch wenn die deutschen Regierungsparteien öfters davon schwafeln.
Somit ist es der EU quasi in letzter Minute doch noch gelungen, den Eindruck zu vermeiden, die Verhandlungen mit der Türkei wären zum Stillstand gekommen. Schließlich hat man doch seit 10/2005 unter jeder Ratspräsidentschaft mindestens ein Kapitel *eröffnet*.
EU-Zypern sprach sich erneut gegen eine ernsthafte Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen bezüglich Türkei aus - was sonst (!) - während die Bundesrepublik Deutschland, merkeltypisch, irgendwo zwischen Befürwortung und Ablehnung dümpelt. Es wird spannend, denn es gibt nur noch drei Verhandlungskapitel, die nicht in irgendeiner Weise vonseiten der EU blockiert werden.
Der Zwang auf die EU, Farbe zu bekennen, wird deutlich größer.
Die Türkei ist ein beachtlicher Faktor der EU-Politik, und es ist falsch, diesen starken Markt und diese politische Kraft nicht in die EU einzubinden und als wirtschaftliche und strategische Verstärkung zu sehen. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von schon heute zehntausend Dollar liegt die Türkei über dem der beiden EU-Mitglieder Rumänien und Bulgarien und kein EU-Land wird - wie in diesem Jahr - 6,5 Prozent Wachstum vorweisen können, wie es für die Türkei solide erwartet werden kann.
Eine positive Einstellung zum Beitrittskandidaten Türkei befördert in jedem Fall auch die politische Situation Nordzyperns, wo ein an die EU-zyprische Europaabgeordnete Eleni Theocharous gerichtetes Schreiben von EU-Kommissionspräsident Barroso und Erweiterungskommissar Füle zustimmend bewertet wurde.
Die EU-Mächtigen haben die längst überfällige nordzyprisch-europäische Direkthandelsregelung angemahnt, denn das britische Überseegebiet Gibraltar sei ebenfalls Teil der EU, liege sogar außerhalb des EU-europäischen Wirtschaftsraums. Ähnliches gelte für die deutsche Insel Helgoland. Eine "Ohrfeige für Zypern" jammerte sodann auch gleich der überwiegende Teil der griechischsprachigen Inselpresse!
Und ganz schnell werden die Süd-Nebelwerfer angeworfen. Der EU-zyprische Präsident Dimitris Christofias winkt mit neuen Schwerpunkten bei Verhandlungen mit der Türkei über das Zypernproblem, wobei allerdings NIEMAND aus nordzyprischen Regierungskreisen einbezogen werden soll, sondern nur eine "Delegation von Repräsentanten türkischer Zyprer". Wenn das nicht eigenartig ist?
Die Kernfragen, die es zu behandeln gäbe, wären:
- Eigentumsfrage, Territorien, eingebürgerte Ausländer.
- Geisterstadt Varosha geht an Griechisch-Zypern.
- Internationale Öffnung des Seehafens Gazimagusa (Famagusta), allerdings nicht unter der
Administration der nordzyprischen Regierung, sondern unter der Obhut der EU.
- Regelung durch inernationale Konferenz, einberufen durch UN. Teilnehmer: die fünf ständigen
Mitglieder des Weltsicherheitsrats, die EU, die bisherigen drei Garantiemächte und die derzeitige
EU-Republik Zypern.
Die gewählten Vertreter derjenigen, deren Kuchen verteilt werden soll, wären gar nicht beteiligt. Solche Vorschläge sind reiner Aktionismus, und sie sollen lediglich der Welt demonstrieren: Die Regierung Nordzyperns lehnt all diese "gutgemeinten Vorschläge" ab. Das sind die Bösen, nicht wir.
Deutschlands Außen-Guido reiste am 23. des Monats nach Zypern, um dort den Präsidenten der EU-Republik Zypern Demetris Christofias und Außenminister Markos Kyprianou zu treffen. Neben allgemeinen europapolitischen Fragen soll natürlich auch das Thema Wiedervereinigung Zypern angesprochen werden. Man darf gespannt sein, ob hinsichtlich dieser *Gespräche* irgendetwas mit sinnvollem Inhalt in die Öffentlichkeit gerät. Ich vermute jedoch: Nichts von Substanz, wenn überhaupt noch eine inhaltlich bemerkenswerte Schlagzeile folgt. 7/2010
Bücher des Autors Heinz Herbert HIER
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UNABHÄNGIGKEITSBESTREBUNGEN DER TÜRKEI
Heinz Herbert
Europa merkt es nicht oder will es nicht merken. Die Türkei intensiviert ihre Bestrebungen nach Alternativen mit anderen Partnern. Russland und der Iran stehen auf der Agenda. Ankara ist heute bereits soweit, dass einzelne Politiker verkünden: "Wir brauchen die EU längst nicht mehr".
Die kurzsichtige EU-Politik (von 31 Kapiteln der Beitrittsverhandlungen sind erst 11 eröffnet und nur eines wirklich abgeschlossen, mehrere sind durch die EU-Republik Zypern blockiert) bewirkt eben diese verständliche Einstellung der türkischen Administration, deren Außenpolitik längst neue Schwerpunkte präferiert.
Die von Kanzlerin Angela Merkel immer wieder empfohlene, "privilegierte Partnerschaft" als total unsinnige Alternative zu einer EU-Vollmitgliedschaft, hat die Türkei längst verwirklich und zwar mit Russland, das zum Dank auch das erste Atomkraftwerk auf türkischem Boden bauen wird. Die wechselseitige Visumspflicht wird für Besuche bis zu 30 Tagen aufgehoben, was den Tourismus ankurbelt. Interessengegensätze werden zunächst einfach ausgeklammert, um sie später in freundschaftlichem Rahmen zu beheben. Die Kontakte zu Iran und Syrien werden als vorzüglich apostrophiert, so dass die Türkei in der Region glänzend aufgestellt ist (Ausnahmen lediglich: Zypern, Israel, Armenien).
Die EU verdrängt die Signale, und auch der türkische Staatspräsident Abdullah Gül denkt laut über eine Türkei ohne Europa nach, was den Verantwortlichen in der EU ins eine Ohr rein und aus dem anderen wieder rausgeht, weil sie noch immer meinen, die EU sei für die Türkei ohne Alternative. Verhält sich die EU lediglich ignorant oder ist sie ganz einfach nur fantasielos? Die Frage bleibt, auch wenn gegen Monatsende einige europäische Spitzenpolitiker, vielleicht etwas aufgeschreckt, die Türkei besuchen. So der britische Premier David Cameron samt Außenminister William Hague, der deutsche Außenminister Guido Westerwelle oder der französische Außenminister Bernard Kouchner. Denn nicht die Beförderung der Aufnahme des Landes am Bosporus wird Hauptthema sein, sondern die für mich schlichtweg dumme Weigerung der Türkei, im UN-Sicherheitsrat die Sanktionen zu unterstützen gegen das iranische Nuklearprogramm. 7/2010
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LOPEZ BEUGT SICH PROPAGANDADRUCKUli Piller
Frau Lopez hat sich dem Druck der inselgriechischen Propaganda hingegeben. Ich kann ihre Absage verstehen. Wer kein Hintergrundwissen über die Entwicklung der Zypernkrise hat, kann leicht glauben, dass zig Tausende Mails nicht irren können. Und nach außen hin sieht alles so aus, als wäre Nordzypern ja ein okkupiertes Land.
Beschämend aber ist, dass die inselgriechischen Lobbygruppen und Aktivisten keinerlei Bereitschaft zeigen, die Inseltürken zu akzeptieren. Dies ist mit Nichten eine Basis für eine Einigung der zwei zyprischen Gesellschaften. Leider wurde dies erneut überdeutlich.
Die zivilgesellschaftliche Annäherung der beiden Volksgruppen erfährt durch die einseitigen Torpedierungen der Zyperngriechen immer wieder herbe Dämpfer - sei es der erfolgreiche Versuch, einer britischen Fußballmannschaft auf Nordzypern Freundschaftsspiele zu untersagen oder nun eben der Auftritt von Frau Lopez.
Man möchte sich besser nicht vorstellen, wie nach einer Einigung der beiden Volksgruppen das Zusammenleben aussehen soll, wenn die eine Seite sich der anderen auf diese Weise 'annähert'.7/2010
Bücher des Autors Uli Piller HIER
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DAS OBJEKT DES NEIDS
Heinz Herbert
Es ist ein Hotel. Nur ein Hotel, allerdings: ein gewaltiges Teil, selbst für europäische Verhältnisse, wenngleich nicht mit Las-Vegas-Dimensionen zu vergleichen.
Das *Cratos Spa Premium Hotel Casino* wurde am 20. Juli 2010 eröffnet. Das Hotel liegt ca. 5 km östlich des Stadtkerns der Hafenstadt Girne (Kyrenia), im Bereich der aufstrebenden Gemeinde Catalköy und verfügt über einen eigenen, beachtlichen Yachthafen. Der nächstgelegene Flughafen (Ercan) ist nur 32 km entfernt. Auf einer Fläche von 105.000 m² ist diese außergewöhnliche Hotelanlage angesiedelt, mit insgesamt 410 Zimmer (242 Standard, 4 behindertengerechte Zimmer, 110 Zimmer der Superior-Kategorie - 24 davon mit Whirlpool - 6 Presidential- und 4 King Suiten (allesamt mit Whirlpool). Alle Räumlichkeiten verfügen natürlich über die üblichen Einrichtungen eines Premiumhotels und die Suiten der Sonderklasse über die artspezifischen Extras, bis hin zu großen Terrassen und Panoramafenstern Richtung Meer.
Das in Nordzypern übliche hoteleigene Casino deckt alleine eine Fläche von 4000 m² ab und verfügt über modernstes Gerät,nämlich: Casino Chipkarten-System, VIP-Lounges, 265 Spielautomaten, 35 Live-Tischspiele, Live-Renn- und Fußballwetten samt Texas-Hold'em-Pokertisch. Alle Spielmaschinen sind mit dem Hauptpreis-Jackpot des Casinos verbunden.
Pool-, Spa- und Freizeitbereiche sind üppig umgesetzt. Eine Ladengalerie und 10 Restaurants sowie Barbetriebe sorgen für Abwechslung. Ein Dutzend Bankett- und Tagungsräume (mit allen erdenklichen technischen Anforderungen) in unterschiedlichster Größe decken jede Veranstaltung des privaten oder öffentlichen Lebens ab.
Ein Hotel ähnlicher Ausstattung muss man im Süden der Insel suchen und wird es kaum finden. Vielleicht deshalb diese südzyprischen Aufgeregtheiten?
Aber auch Neid ist nur ein Gefühl und *alle Gefühle entspringen der Voreingenommenheit der Menschen für sich selbst*, sagte schon der alte zen-buddhistische Meister Bankei. 7/2010
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WUSSTEN SIE, DASS … KEIN FREILUFT-GEFÄNGNIS DER TÜRKEI EXISTIERT?
Erdogan Hayvali
"Nordzypern - Das Freiluft-Gefängnis der Türkei" heißt die Kolumne von Daniel Pipes auf Welt Online. Selten hat jemand versucht, durch einen Vergleich zwischen Nordzypern und Gaza das Recht der Türkei auf Israelkritik in Frage zu stellen. Bei den dabei verwendeten "Fakten" handelt es sich aber größtenteils um Halb- und Unwahrheiten. Vielleicht könnte man durch ein Spiel Namens "Wussten Sie, dass" versuchen, die Scheuklappen des Herrn Pipes zu entfernen und durch die Präsentierung der nordzyprischen Sichtweise seinen Horizont bezüglich der Zypernfrage zu erweitern. Einen Versuch ist es ja wert.
Wussten Sie, dass …
- am 02. August 1975 die Volksgruppenführer der griechischen und türkischen Zyprer, Glafkos Klerides und Rauf Denktas, unter der UN-Ägide in Wien ein Abkommen zum Bevölkerungsaustausch unterschrieben haben, wodurch 162.000 Zyperngriechen in den Süden und 65.000 Zyperntürken in den Norden abwandern mussten?
- es heute weltweit ca. 400.000 türkische Zyprer gibt und die Mehrheit von ihnen durch die Folgen des Zypernkonflikts bereits in den 1950er, 60er und 70er Jahren ins Ausland geflohen ist?
- die Garantiemacht Großbritannien und weitere westliche Staaten tatenlos zugeschaut haben, als in 1974 griechische und zyprisch-griechische Soldaten sowie zivile Paramilitärs der EOKA-B mit Unterstützung der Militärjunta in Griechenland zuerst auf Zypern geputscht, das Blut ihrer eigenen Landsleute vergossen, dann die "hellenische Republik Zypern" ausgerufen und anschließend zur Umsetzung des Akritas-Plans zahlreiche türkisch-zyprische Zivilisten massakriert haben?
- die Türkei im Jahre 1974 ihre Pflicht als Garantiemacht Zyperns durch die Invasion erfüllt hat und dabei den möglichen Völkermord gegen die türkischen Zyprer sowie die Vereinigung der Insel mit Griechenland verhindert hat?
- die türkischen Zyprer nach acht Jahren vergeblicher Lösungssuche mit ihren griechischsprachigen Nachbarn auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der Völker ihre Türkische Republik Nordzypern ausgerufen haben und das Volk mehrheitlich die Verfassung per Volksentscheid angenommen hat?
- die türkischen Zyprer auch nach der Staatsgründung über eine Lösung der Zypernfrage verhandelt und im Jahre 2004 den Annan-Friedensplan zur Inselvereinigung mehrheitlich angenommen haben, während es 75% der griechischen Zyprer abgelehnt hatten?
- es auf Zypern keine Grenzmauer gibt, die "Greenline" umzäunt ist und das Konstrukt in der Inselhauptstadt Nikosia eher notdürftige zusammengeschusterte Barrikaden darstellen, die erst nach den Pogromen der Zyperngriechen von den türkischen Zyprern errichtet wurden und diese Übergriffe auf die Zyperntürken der eigentliche Grund für die Existenz der UN-Friedenstruppe auf Zypern sind?
- die griechische Seite ihrem verfassungrechtlichen Partnervolk, den türkischen Zyprern, die Wahrnehmung aller in der Verfassung verankerten Rechte bereits drei Jahre nach der Gründung der Republik Zypern in 1963 verweigert hat und dies bis heute tut?
- der Großteil des Stadtteils Varosha in Famagusta aus privatrechtlicher Sicht Eigentum der muslimischen Gemeinschaft Evkaf ist, das während der Kolonialzeit unrechtmäßig enteignet und den griechischen Zyprern gegeben wurde?
- der ehemalige südzyprische Präsident Klerides in einem Interview betont hat, dass die Türkei international nicht mehr als Besatzungsmacht angesehen wird und bereits in den 70ern ein griechisches Gericht die türkische Militärintervention als legitim bezeichnet hat?
- der Norden ihre eigene Armee und Polizei bestehend aus türkischen Zyprern hat und die absolute Mehrheit des Volkes bei repräsentativen Umfragen immer die Streitkräfte der Türkei als vertrauenswürdigste Institution einstuft?
- die Grenze zwischen Nord- und Südzypern für alle Insulaner und Touristen durchlässig ist, so dass jeder Mensch mit einem gültigen Ausweis die fünf Grenzübergänge zu Fuß oder mit einem Fahrzeug rasch passieren kann?
- nicht durch die UN-Truppen, sondern die türkische Armee durch ihre Anwesenheit seit 36 Jahren ein de facto Frieden auf Zypern hergestellt hat und kein Zyperntürke mehr um seine Existenz fürchten muss?
- kein Freiluft-Gefängnis der Türkei existiert?
7/2010 Quelle NCT
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UMAs SICHT TISCHGEBETE
Ich hatte in der letzten Woche F., einen jungen Mann von knapp 16 Jahren, zu Gast. Die Zeit war sehr schön, wir haben viel Spaß zusammen gehabt und ein solches Beisammensein lässt ja auch immer wieder zurückdenken: Wie war das denn, als ich in dem Alter war? Eine der wenigen Kleinigkeiten, die mir an ihm aufgefallen waren, die ich nicht so mochte, ist es, dass er Teller nie ganz richtig leer isst. Das hat nichts damit zu tun, ob er satt ist oder etwas nicht mag: Auch bei ausgesprochenen Lieblingsspeisen lagen immer irgendwelche Reste auf dem Teller, in der Salatschüssel ein Stück Möhre, zwei Stückchen Salat und vielleicht noch eine halbe Scheibe Gurke. Die Eltern darauf angesprochen, seufzten - sie arbeiten noch daran. Auch beim Säubern von Erdbeeren war er großzügiger als ich. Nun ist es nicht meine Sache, an ihm rumzuerziehen, dazu hatte ich auch gar keine Lust, es sollte ja für ihn bei mir kein Erziehungsheim sein. Dennoch hat es mich wieder einmal daran erinnert, dass ich eine sehr hohe Meinung von Lebensmitteln habe und sehr darauf bedacht bin, wirklich möglichst wenig wegzuwerfen. Und ich habe mich gefragt, wo das bei mir herkommt.
Wäre ich ein Nachkriegskind aus der Zeit, als Lebensmittel knapp waren, wäre das verständlich. Bin ich aber nicht, ich bin mit "Luxusessen" groß geworden. Heute Morgen beim Spazierengehen dachte ich wieder darüber nach. Im Elternhaus von F. wird meines Wissens mit Lebensmitteln auch sorgsam umgegangen. Was war denn bei mir früher so besonders? Und da kam es mir in den Sinn: Könnten es die Tischgebete gewesen sein?
Wir waren zwar kein frommer Haushalt, aber doch ein deutlich christlich geprägter. Ich bin als Einzige da später "ausgestiegen". Und obwohl ich keine Gedichte mehr weiß, die ich in der Schule auswändig lernen musste, so sind mir doch unsere Tischgebete immer noch präsent. Vor dem Mittagessen beteten wir:
Komm Herr Jesus, sei unser Gast, und segne, was du uns bescheret hast. Amen.
Nach dem Mittags- und Abendessen (vor dem Abendessen wurde nicht gebetet) gab es noch ein Danke:
Danket dem Herren, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Amen.
Das war Teil meiner Jugend. Irgendwann wurde auch bei uns zu Hause nicht mehr gebetet, ich weiß gar nicht mehr, wann das aufhörte. Ich muss mal meine jüngeren Geschwister befragen, ob sie sich noch daran erinnern. Vielleicht haben diese Worte, die ich damals mehr oder weniger automatisch mitgesprochen habe, doch das Gefühl für Dankbarkeit bei mir bewahrt? Das Gefühl für die Kirche wie gesagt sicher nicht - ich bin schon zu Zeiten meines Studiums aus der Kirche ausgetreten. Einige Dinge wie Dankbarkeit und Ehrfurcht vor dem Leben habe ich mitgenommen. Ich bin für viele Dinge jeden Tag dankbar, die andere als selbstverständlich hinnehmen: gutes Essen, das ich mir leisten kann, ein Dach über dem Kopf, Frieren muss ich nicht und außer besonders großen Wünschen kann ich mir kaufen, was ich mir wünsche. Vielen anderen geht es so wie mir, doch sie genießen nicht das, was sie haben, sondern schauen auf das, was sie NICHT haben.
Ein Tischgebet am Anfang und eines am Ende einer Mahlzeit haben aber noch mehr Vorteile: Sie erlauben Essen nicht als Nebensächlichkeit. Essen beim Fernsehen und vorher ein Tischgebet? Das will nicht zusammenpassen. Die Tischgebete gaben einen medidativen Einstieg in den Wert des Essens und auch der familiären Gemeinsamkeit. Als Kind wusste ich genau, wie lange ich am Tisch sitzen bleiben musste: Vor dem Dankesgebet aufstehen? Unmöglich.
Sicher ist ein Tischgebet nicht mehr zeitgemäß? Mehr und mehr Leute sind ja auch nicht mehr Mitglieder einer Kirche. Das braucht uns aber nicht davon abzuhalten, dankbar zu sein für das, was wir auf dem Teller haben, es wertzuschätzen und diese Wertschätzung und Dankbarkeit an nächste Generationen weiterzugeben. Da können wir uns auch ein passendes Gedicht oder einen schönen Aphorismus auswählen, den wir an die Stelle eines solchen Gebetes setzen.
Ehrfurcht vor dem Leben und Dankbarkeit für alles das, was wir im Gegensatz zu so vielen anderen Menschen genießen können, entsteht nicht spontan und aus dem Nichts. Die müssen wir schon auch an die nächste Generation weitergeben. 7/2010
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EIN PAAR TAKTE JAZZ: Das Beispiel *SUMMERTIME*Heinz Herbert
Jede Musik lebt vom Interpreten. Im Jazz ist das offensichtlich. Es ist hoffentlich einfach, dies an dem allseits bekannten Stück SUMMERTIME zu zeigen. Ich stelle in den folgenden Monaten jeweils eine Interpretation vor.
HEUTE: Fantasia Barrino
* 30. Juni 1984 in High Point, North Carolina) ist eine US-amerikanische R&B-Sängerin. Bekanntheit erreichte sie im Mai 2004 als Gewinnerin der dritten Staffel der Castingshow American Idol.
Summertime-Songtext:
Summertime
And the livin' is easy,
Fish's are jumpin'
And the cotton is high.
Oh yo' dad is rich
And yo' ma is good lookin'
So hush little baby,
Don't you cry.
One of these mornin's
You goin' to rise up singin'
Then you'll spread your wings
And you'll take to the sky.
But 'till that morning,
There's ain't nothing can harm you
With Daddy and Mummy
Standing by
With Daddy and Mummy
Don't you cry...
INFOs zum Beispiel Summertime: Name der Arie aus Oper Porgy and Bess von George Gershwin. Komposition 1933ff. Text: DuBose Heyward (der darauf verzichtete als Textautor für diese Arie gesondert genannt zu werden). Dieses Wiegenlied erklingt innerhalb der Oper dreimal, immer kurz bevor ein neuer Todesfall eintritt. Das Stück gehört heute zum Jazzstandard und wurde in total unterschiedlichen Variationen über zehntausend Mal aufgenommen (Billie Holiday, Frank Sinatra, Ella Fitzgerald u Louis Armstrong, Miles Davis, John Coltran, Janis Joplin, Big Brother & The Holding Company, Sarah Vaughan u.v.a.m.). Die *Sommertime Connection* sammelte Coverversionen, die per 1.2.2010 18.606 komplette Aufnahmen registrierte.
Jazz allgemein:
Jazz polarisiert. Man mag ihn oder man mag ihn nicht. Ich mag ihn in allen seinen Variationen. Die Sucht überkam mich so im Alter von 12 Jahren. Meine erste Scheibe auf Vinyl - die ich noch heute habe - war von Chris Barber. Seitdem bin ich diesem Virus Jazz hoffnungslos verfallen. Ich habe seinerzeit die aktuelle Entwicklung des *Rock* total verpasst, weil ich versunken war in den vielen Variationen des Jazz.
Ein paar Worte zu dieser Musik: Die Entwicklung des Jazz wurde um 1900 in den USA erkennbar, als die überwiegend von Afroamerikanern gepflegte und weiterentwickelte Musik (überwiegend konnten die Musiker keine Noten lesen, hörten mit, lernten von anderen, probierten aus und variierten, was sie gehört und gesehen hatten) plötzlich überregional bekannte Größen hervorbrachte. Die historischen Vorgänger waren sogenannte Marching Bands, Kirchenlieder, Spirituals, Blues und Ragtime.
Ob der Jazz in seiner künstlerischen Bedeutung als amerikanisches Pendant zur *klassischen* europäischen Musik verstanden werden sollte, mag ich nicht beurteilen. Jedenfalls hat der Jazz alle Musik in der Folgezeit beeinflusst. Er eroberte die Welt über Keller, Straßen, Clubs und Ballhäuser im Laufe der Jahrzehnte und ist heute in den großen Konzertsälen der Welt genau so zu Hause, wie noch immer in Clubs, Straßen und Kellerlokalen.
Bevorzugte Instrumente: alle Blasinstrumente, Klavier, Saiteninstrumente, Percussions. Rhythmik und spontane Interaktion von Instrument und Stimme.
Selbst die modernen Strömungen des Jazz weisen eine klare Charakteristik auf, die sie als Jazz identifiziert. Dazu gehören die stilbildenden *Blue Notes*, was da sind: Improvisation, Jazzrhythmik, spezifische Tonbildung und Handhabung der Instrumente, die stilistische Individualität der Interpreten und Traditionsbezug auf vorhergegangene Jazzstile.
Die Hauptstilrichtungen sind:
New Orleans Jazz (ab 1900) . Häufig als erster Jazzstil bezeichnet, zumal die erste Musik, die unter *Jazz* zitiert wurde. Stilmerkmale: Kollektivimprovisation, Breaks, das Leadinstrument (meist Trompete oder ein anderes Blechblasinstrument) wird von anderen umspielt. (z.B. King Oliver, Louis Armstrong (Hot Five u Hot Seven), Kid Ory, Jelly Roll Morton, Sidney Bechet).
Melodieinstrumente: Kornett oder Trompete, Klarinette, Posaune, selten Saxophon.
Rhythmusgruppe: Banjo, später Klavier, Gitarre, Bass oder Tuba, selten Basssaxophon und Schlagzeug.
Dixieland Jazz (ab 1910). Der Jazz half in den USA die Rassentrennung zu unterlaufen. Es gab von Anbeginn des Jazz sowohl afroamerikanische als auch weiße Bands. Zur weißen Variante des *schwarzen Jazz* geriet der Dixieland. Der ist erkennbar durch eine spezifische Rhythmik, glattere Melodien, die technisch brillierten zulasten der Improvisation. Wir kennen drei Hauptströmungen des Dixies: Chicago Style, West Coast Revival und New Orleans Traditional.(z. B. Kenny Ball, Firehouse Five plus 2)
Chicago Jazz (ab 1920). Die Melodien überkreuzen sich nicht mehr im Gegensatz zum New Orleans Stil, sondern liegen parallel zueinander. Die Improvisation im Kollektiv wird zugunsten einzelner Soli bewusst vernachlässigt. Das Saxophon taucht auf, Bass und Gitarre lösten Tuba und Banjo ab. Zweite und dritte Zählzeit wurden durch Schlagzeug stärker betont (z. B. Bix Beiderbecke, Frank Teschemacher, Gene Krupa, Benny Goodman in frühen Zeiten).
Swing (ab 1926). Der Swing geriet zum populärsten Jazzstil, dem Big-Band-Jazz, der zwischen 1935 und 1945 seine größte Beliebtheit erfuhr. Kansas-City-Jazz und Western-Swing sind regionale Unterstile. In Europa entwickelte sich in den 1930ern der Gipsy-(Zigeuner-)Jazz, zu dessen bekanntestem Vertreter der Gitarrist Django Reinhardt zählt. Gitarren und Geigen gehören dort zur Grundbesetzung. Merkmale: Tanzbarkeit und Big-Bands. Klassische Swingbesetzung = 17 Musiker plus Bandleader eingeteilt in die Reedsektion: Baritonsaxophon, zwei Tenorsaxophonen, zwei Altsaxophonen. Die Brasssektion: vier Trompeten und Posaunen. Die Rhythmusgruppe: Klavier, Bass, Schlagzeug, Gitarre. Erweitert oft um Querflöten und Klarinetten, selten Hörner, Tuben, Streichinstrumente.
Das Arrangement der Stücke wurde zwingend. Improvisationen Einzelner seltener als Soli innerhalb der Nummern. Notenkenntnisse wurden zwingend.
Bekannteste Swingorchester unter Leitung von: Count Basie, Duke Ellington, Tommy u Jimmy Dorsey, Benny Goodman, Lionel Hampton, Harry James, Woody Herman, Gene Krupa, Chick Webb mit Ella Fitzgerald, aber auch noch immer Louis Armstrong in kleinerer Formation.
Bebop (ab 1940). Bebop wurde ab 1940 wahrgenommen und bot die Basis für den Modern Jazz. Schlagzeug und Bass bekamen größere rhythmische Freiheiten. Insbesondere die Tempoverdoppelung hielt Einzug in solistische Improvisationen. Die Melodie des Themas wurde in den Improvisationen weitgehend unberücksichtigt gelassen. Größere rhythmische Freiheit für Schlagzeug und Bass, schnelle Tempi, lange Improvisationen werden gepflegt.
Keine Unterhaltungsmusik, manche nennen den Stil auch im negativen Sinne: verkopft.
Saxophon und Trompete spielen verstärkt unisono. Zurück zur Combo. Keine Riffs (=prägnante, kurze, sich wiederholende Ton- oder Akkordfolgen), Zählzeit meist auf 1 und 3, wirkt härter und wird oft schnell, fast hektisch gespielt. Instrumente: Trompete, Saxophon, Klavier, Kontrabass, Schlagzeug.
Bekannte Interpreten: Charly Parker, Thelonious Monk, Bud Powell und Dizzy Gillespie (in großer Besetzung)
Latin Jazz (ab 1947). Spielart des Modern Jazz. Aufnahme von Rhythmen und Kompositionen aus Lateinamerika, insbesondere Kuba und Brasilien. (z. B. Dizzy Gillespie, Stan Kenton, Stan Getz, Chick Corea).
Cool Jazz (ab 1948). Entwickelte sich aus Bebop. Introvertierte Grundhaltung beim Musizieren. Eher konzertant mit Soli, bevorzugt er langsamere Tempi und weite Melodiebögen. West-Coast-Jazz ist eine kalifornische Variante.
Komposition und Improvisation eher intellektuell als gefühlvoll, eher ruhig als hektisch, eher Ensemblemusik, obwohl die Improvisationstechniken dem Bebop entsprechen. Kollektivimprovisationen finden sich erstmals im Cool Jazz. Miles Davis ist ein Beispiel für gedämpfte bis verhauchte Tongebung. Typisch langgezogene Töne und verschleppte Phraseneinsätze. Häufigste Bandform: Trio bis Sextett.
Bekannte Interpreten: Dave Brubeck, Miles Davis, Stan Getz, Modern Jazz Quartet, Gerry Mulligan, Chet Baker, Lennie Tristano.
Hard Bop (ab 1955). Weiterentwicklung des Bebop. Elemente afroamerikanischer Unterhaltungsmusik wurden verarbeitet. Eher rhythmisch akzentuiert. Souljazz ist die funkige Variante.
Bekannte Interpreten: Art Blakey, Miles Davis, Cannonball Adderley.
Free Jazz (ab Ende der 1950er). Synonym für freies ungebundenes Improvisationsspiel, das die Möglichkeit zur absolut freien Entfaltung immer neuer Formen im Jazz ermöglicht. Die Improvisationen sind weitgehend und ermöglichen freies Spiel ohne Bezug auf Jazztradition. Neuland jenseits etablierter Musikgattungen.
Hat sich seit den 1960er Jahren positiv weiterentwickelt. Oft Aufhebung der harmonischen Tonalität, vereinzelt Zwölftonmusik (komponiert auf Grundlage einer Zwölftonreihe = tonaler Bezug besteht, aber bereits eine Form von Atonalität und mit Atonaler Musik bezeichnet man eine Musik die auf einen Grundton fixiert ist), freie Rhythmik, Aufhebung der Trennung zwischen Klang und Geräusch, keine Trennung zwischen Solo- und Begleitpart
Bekannte Interpreten: Art Ensemble of Chicago, Peter Brötzmann, John Coltrane, Gunter Hampel, Attila Zoller.
Jazz Fusion (ab Ende der 1960er). Die Kombination von Jazz mit anderen Stilrichtungen, bevorzugt Rock- und Funk, wird angestrebt. Bevorzugt elektrisch verstärkte Musikinstrumente. Hochinteressante Entwicklung, zumal Künstler Genre übergreifend sich auf breiter Ebene begegnen. (z.B. Jazz zu Funk = Volker Kriegel, Herbie Hancock. Rock zu Jazz: Brian Auger u. a.).
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